In einem St. Ingberter Labor werden Corona-Proben analysiert (Foto: Sebastian Knöbber)

Reihentests treiben Corona-Zahlen in die Höhe

Thomas Braun   14.04.2020 | 17:03 Uhr

Noch vergangene Woche schossen die täglichen Corona-Fallzahlen überraschend stark in die Höhe, über Ostern flachte die Kurve dann stark ab. Über das tatsächliche Infektionsgeschehen sagt die Entwicklung allerdings nur bedingt etwas aus - da sie zu einem Großteil auf Sondereffekten beruht.

Gleich mehrfach vermeldete das saarländische Gesundheitsministerium in der Woche vor Ostern mehr als 100 neue Corona-Infektionen pro Tag. Besonders viele davon im Regionalverband, wo innerhalb von drei Tagen mehr als 200 neue Coronafälle bestätigt wurden.

Ob die Ausgangsbeschränkungen im Saarland also nicht so wirken, wie erhofft, kann man daraus aber nur bedingt schließen. Denn der Regionalverband hat an diesen Tagen auch viel getestet, bestätigte er dem SR auf Anfrage: "Knapp die Hälfte dieser neuen Fälle haben sich aus den Reihenuntersuchungen in den vom Coronavirus betroffenen Pflegeheimen ergeben", teilte ein Sprecher mit. Nur die andere Hälfte entfalle auf das "normale Infektionsgeschehen".

Niveau der Neu-Infizierten im Saarland stabil?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 14.04.2020, Länge: 02:50 Min.]
Niveau der Neu-Infizierten im Saarland stabil?

Besonders häufig Pflegeheimbewohner verstorben

Ähnliches gelte für die hohe Zahl an Todesfällen im Regionalverband. "Von den bisher gemeldeten 37 Todesfällen im Regionalverband, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, handelt es sich in knapp der Hälfte der Fälle um Bewohnerinnen oder Bewohner von Pflegeheimen", sagte der Sprecher. Dabei habe es sich überwiegend um alte Menschen mit Vorerkrankungen gehandelt - und es ließe sich nicht trennscharf ermitteln, ob diese letztlich an der Covid-19-Erkrankung gestorben oder einem anderen Leiden erlegen sind.

Einbruch der Zahlen über Ostern

Im gesamten Saarland sind - Stand Montagabend - bislang 57 Menschen verstorben, bei denen zuvor eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt worden war. Und gerade über Ostern sind die Zahlen noch einmal deutlich gestiegen, während zeitgleich deutlich weniger Neu-Infektionen gemeldet wurden. Das erklärt sich über Zeitverzögerung: Experten rechnen derzeit im Schnitt mit etwa zehn Tagen zwischen Infektionsmeldung und Todeszeitpunkt.

Wenige Tests über Ostern

Auch die sehr niedrige Zahl an neuen Corona-Fällen über Ostern muss mit Vorsicht betrachtet werden. Weniger als 30 Neu-Infektionen täglich meldete das Gesundheitsministerium von Ostersamstag bis Ostermontag - so wenige wie seit vier Wochen nicht mehr. Dies habe aber mit Sicherheit auch damit zu tun, dass in dieser Zeit weniger getestet wurde, heißt es in der Einschätzung des Regionalverbandes. "Ob sich die Zahl der Neuerkrankungen wirklich auf einem sehr niedrigen Niveau verstetigt, wird man wohl erst gegen Ende dieser Woche abschätzen können", sagte der Sprecher.

Weitere Informationen

Statistik nach Alter und Regionen
Wie verteilen sich die Corona-Fälle im Saarland?
Knapp ein Drittel der saarländischen Coronafälle betrifft Personen über 60 Jahren, bei Kindern wurde das Virus bislang hingegen kaum nachgewiesen. Regional am stärksten betroffen sind nach wie vor der Saarbrücker Raum und Städte, in denen es lokale Ausbruchsgeschehen in Pflegeheimen gab.

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