Sprechzimmer in einer Arztpraxis (Foto: Monika Skolimowska / dpa Bildfunk)

Viele Infektionskrankheiten treten seltener auf

Axel Wagner   03.07.2020 | 06:33 Uhr

Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Maßnahmen haben sich auch auf die Verbreitung anderer Infektionskrankheiten ausgewirkt. Nahezu alle Infektionen sind nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) im Vergleich zum Vorjahr im Saarland seltener aufgetreten – mit einer Ausnahme.

Der Großteil der Infektionskrankheiten im Saarland ist gegenüber 2019 bislang rückläufig. Die Zahl der Norovirus-Infektionen etwa sank in der Zeit von Anfang Januar bis Mitte Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 60 Prozent. Beim Rotavirus verzeichnete das RKI ein Minus von fast 80 Prozent. 

Den Grund für die überwiegend zurückgegangenen Infektionszahlen sieht Dr. Michael Kulas, Vorsitzender des Saarländischen Hausärzteverbandes, in den von der Landesregierung, Firmen, Institutionen und nicht zuletzt den Menschen selbst vorgenommenen Schutz- und Hygienemaßnahmen. „Die Kontakte waren in der Coronazeit deutlich reduziert. Dadurch hat einfach deutlich weniger Infektiosität stattgefunden.“

Auch beim Betrieb in den Hausarztpraxen habe sich die Pandemie bemerkbar gemacht, so Kulas. Ab Mitte März sei der Betrieb in seiner Praxis „total runtergeschraubt“ gewesen. Viele Patienten mit Standardkontrollen hätten abgesagt. Dafür habe es viele telefonische Kontakte gegeben. Für seine eigene Praxis hat Kulas errechnet, dass die Zahl der Patienten im Vergleich zum Vorjahresquartal um sieben Prozent niedriger liegt. Patienten mit leichten Erkrankungen wie einer Erkältung seien zudem nicht gleich zum Arzt gegangen oder hätten sich telefonisch krank schreiben lassen.

Wenig Erkrankungen der Atemwege

Insgesamt ist die Zahl der Krankmeldungen zuletzt aber deutlich gesunken. Nach Berechnungen der Techniker Krankenkasse lag sie im März bei den TK-Versicherten im Saarland mit 7,95 Prozent noch relativ hoch. Im Mai sank er im höchsten Wochenmittel auf 4,22 Prozent (2019: 4,64 Prozent) – was aber gegenüber dem Bundesdurchschnitt (3,47 Prozent) immer noch ein relativ hoher Wert ist.

Das Robert-Koch-Institut stellt insbesondere bei Atemwegserkrankungen einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren fest. Bis auf wenige kurze Phasen liegt die Zahl der Erkrankungen aus diesem Bereich in der Saison 2019/20 bislang fast durchweg unter den Vorjahren, seit Ende März sogar deutlich darunter. Das RKI spricht hier von einem „sehr niedrigen Niveau“.

Deutlich mehr Grippe-Fälle

Einzige Ausnahme bei den Erkältungskrankheiten ist die Grippe (Influenza). Hier registrierte das RKI seit Jahresbeginn mehr als doppelt so viele Fälle wie 2019. Die Grippewelle hatte hier im Saarland bereits ihren Höhepunkt erreicht, bevor die ersten Coronafälle auftraten und die entsprechenden Eindämmungsmaßnahmen griffen. Mitte März, als im Saarland die Schulschließung verkündet wurde, gab es bereits knapp 1600 bestätigte Influenza-Infektionen - danach flachte die Kurve stark ab.

Leichte Schwankungen bei Sterbefällen

Die Anzahl der Sterbefälle lag zwischen Anfang Februar und Mitte März leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019, in dem auch die starke Grippesaison 2017/18 (2636 Influenza-Infektionen im Saarland gegenüber 818 Infektionen in der Saison 2018/19) berücksichtigt ist. Kurz vor Ostern stieg die Zahl der Todesfälle leicht über den Durchschnittswert, ging jedoch bis Ende Mai wieder zurück. Derzeit sterben im Vergleich weniger Menschen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

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