Eine Ärztin hält ein Abstrichstäbchen im Plasikröhrchen in den Händen, nachdem sie einen Abstrich entnommen hat. (Foto: dpa/Felix Kästle)

Massive Ausweitung von Corona-Tests im Saarland geplant

  17.07.2020 | 15:53 Uhr

Die Landesregierung will die Corona-Tests massiv ausweiten. Es soll Tests für Lehrer, an Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen und der Landesaufnahmestelle Lebach geben. Für eine Studie sollen auch Schüler Kita-und Kinder getestet werden.

Die Landesregierung will mit einer massiven Ausweitung von Corona-Tests einer Ausbreitung von Sars-CoV-2 im Land entgegenwirken. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, sieht die überarbeitete Teststrategie vor, dass es breite Testungen in mehreren Bereichen gibt.

Video [aktueller bericht, 17.07.2020, Länge: 2:18 Min.]
Die Corona-Teststrategie der Landesregierung

So soll nach den Sommerferien allen 9000 Lehrerinnen und Lehrern im Saarland ein freiwilliger Corona-Test angeboten werden, ein zweiter bis Ende des Jahres 2020. Die Kosten dafür übernimmt das Land.

Außerdem soll es eine repräsentative wissenschaftliche Studie geben, für die eine Auswahl an Schülern, Kita-Kindern sowie dem Lehr- und pädagogischen Personal in Kitas und Schulen getestet werden soll. Das Gesundheitsministerium hatte im Zusammenhang mit der Studie am Freitagmorgen noch von allen Schülern und Lehrern gesprochen, Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) stellte später klar, es handele sich lediglich um eine stichprobenartige Auswahl.

Tests in Pflegeheimen und für Behinderte

Bildungsministerin Streichert-Clivot: "Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 17.07.2020, Länge: 03:41 Min.]
Bildungsministerin Streichert-Clivot: "Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen"

Bleibt die Neuinfektionslage im Saarland auf einem niedrigen Niveau, werden alle Personen, die in Pflegeheime neu aufgenommen oder rückverlegt werden zuvor getestet. Zudem sollen etwa 500 Beschäftigte in Pflegeheimen und der ambulanten Pflege sowie der Tagespflege monatlich stichprobenhaft getestet werden.

Außerdem soll es monatliche Stichprobentests bei etwa 160 Beschäftigten der Behinderteneinrichtungen geben und es sollen bis zu 150 Abstriche bei neuankommenden Flüchtlingen in der Landesaufnahmestelle Lebach gemacht werden.

Ausweitung bei steigenden Infektionszahlen

Für den Fall eines starken Anstiegs der Neuinfektionen sollen die Tests noch weiter hochgefahren werden.

Dann sollen pro Monat zusätzlich ungefähr 2000 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen getestet werden. Außerdem würden dann circa 530 Betreute in Behinderteneinrichtungen, 120 Menschen in der Tagespflege und rund 1000 Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten Stichprobentests unterzogen werden.

Test-Station auf dem Messegelände

Um die geplanten Massentests durchführen zu können, wird die Drive-In-Teststation auf dem Saarbrücker Messegelände wieder in Betrieb genommen. Bleibt die Infektionslage niedrig, soll dort Kapazität für bis zu 750 tägliche Abstriche sein. Im Fall einer neuen Infektionswelle könnten die Kapazitäten dann auf bis zu 2000 tägliche Abstriche erhöht werden, so das Ministerium.

Zusätzlich stünde bei einer zweiten Infektionswelle auch eine mobile Teststation zur Verfügung. Sie kann an täglich wechselnden Standorten bis zu 250 Tests durchführen. Außerdem soll ein mobiles Abstrichteam, das rund 50 Menschen pro Tag testen kann, eingesetzt werden. Das ermögliche beispielweise Testreihen in Betrieben vor Ort.

VdK: Flächendeckende statt stichprobenartiger Tests

Der Sozialverband VdK hat die Teststrategie der Landesregierung als unzureichend kritisiert. Statt der stichprobenartigen Tests im Pflegebereich brauche es flächendeckende, systematische Tests. "In der Pflege arbeiten 15.000 Menschen, die mehr als 45.000 Pflegebedürftige versorgen. 500 Tests bedeuten, dass gerade einmal drei Prozent der professionell Pflegenden getestet werden", sagte der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang. Die Strategie vernachlässige zudem die häusliche Pflege.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 17.07.2020 berichtet.

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