Coronatest: positives Testergebnis. Corona-Virus, mikroskopische Ansicht. (Foto: Imago Images/MiS/Sofiane Regragui)

Weiter hohe Corona-Übertragungsrate im Saarland

  22.10.2020 | 17:40 Uhr

Die Corona-Übertragungsrate ist im Saarland nach wie vor hoch – auch wenn der R-Wert im Vergleich zur Vorwoche leicht gesunken ist. Derzeit liegt er bei 1,8, wie aus Berechnungen von Forschern der Saar-Uni hervorgeht.

Seit der Saarpfalz-Kreis am Dienstag die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten hat, gelten alle Landkreise im Saarland als Risikogebiet. Überall wurden strengere Beschränkungen eingeführt, insbesondere die Teilnehmerzahl von Veranstaltungen und Feiern ist begrenzt. Im Kreis St. Wendel gelten diese Beschränkungen bereits seit mehr als zehn Tagen.

Steigende Infektionszahlen im Saarland (22.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 22.10.2020, Länge: 02:03 Min.]
Steigende Infektionszahlen im Saarland (22.10.2020)

Prof. Lehr: "Ende Oktober Belegungen wie zu Spitzenzeiten der ersten Welle"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 22.10.2020, Länge: 03:43 Min.]
Prof. Lehr: "Ende Oktober Belegungen wie zu Spitzenzeiten der ersten Welle"

Einen nennenswerten Einfluss der Maßnahmen auf ihre Modellrechnungen zur Verbreitung des Coronavirus sehen die Forscher um Thorsten Lehr, Professor im Fachbereich Klinische Pharmazie an der Saar-Uni, allerdings noch nicht. Der R-Wert, der angibt, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person im Schnitt ansteckt, sei im Vergleich zur Vorwoche nur leicht von 2 auf 1,8 gesunken. Sollte der aktuelle Trend im Saarland anhalten, sei Anfang November mit über 1000 neuen Fällen pro Tag zu rechnen, so Lehr.

Hospitalisierungsrate gestiegen

Bei der Krankenhausbelegung ist nach Einschätzung von Prof. Lehr ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Bei gleichbleibender Infektionslage seien in zwei bis drei Wochen im Saarland Bettenbelegungen mit COVID-19-Patienten zu erwarten, wie sie in Spitzenzeiten der ersten Welle Mitte April zu verzeichnen waren.

Prof. Thorsten Lehr, Uniklinik Homburg
"Wir haben mit diesen Zahlen gerechnet"

Ein wichtiger Wert für die Wissenschaftler ist die Hospitalisierungsrate – also der Anteil der Infizierten, die nach einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen. Diese sei zuletzt von 2,7 Prozent auf knapp fünf Prozent angestiegen. Dies lässt sich nach Auskunft der Experten vor allem auf den Wiederanstieg der Ü60-Infizierten zurückführen.

Am Mittwoch befanden sich nach Angaben des saarländischen Gesundheitsministeriums 58 Patienten in stationärer Behandlung, darunter 17 auf der Intensivstation. Derzeit machen Corona-Patienten noch einen geringen Anteil an allen Patienten in den saarländischen Kliniken aus. Überraschend kommt die Entwicklung für Lehr nicht. Er habe mit dieser Entwicklung gerechnet, sagte er im SR-Interview.

Ministerpräsident Hans warnt vor erneutem Lockdown

Ernst schätzt Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) die Lage ein. Er sagte im SR, er halte den aktuellen Zustand für "sehr bedrohlich". Das Saarland verzeichnete am Mittwochabend mit 219 Fällen die höchste Corona-Neuinfektionszahl seit Beginn der Pandemie. Jedoch ist auch die Zahl der durchgeführten Tests in den vergangenen Wochen gestiegen.

Ministerpräsident Hans: "Ich halte den Zustand für sehr bedrohlich"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 22.10.2020, Länge: 06:13 Min.]
Ministerpräsident Hans: "Ich halte den Zustand für sehr bedrohlich"

"Wenn es so weiter geht, dann dauert es nicht mehr lange und diese Welle kommt auch bei den Alten und Kranken an, und unser Gesundheitssystem steht unter Stress. Dann landen wir wieder im Lockdown", schrieb Hans auf Twitter. Er forderte die Bevölkerung erneut auf, die AHA-Regeln zu beachten. Die saarländische Wirtschaft könne sich einen zweiten Lockdown nicht leisten, sagte Hans außerdem im Gespräch mit dem SR.

Hans schloss gleichzeitig aus, dass bei einem zweiten Lockdown wieder Schulen und Kitas geschlossen würden. "Wir werden nicht mehr die Schulen und Kitas zu machen, solange das irgendwie geht", sagte er. Auch im Einzelhandel könne man mehr Geschäfte offen lassen, da man inzwischen die Maskenpflicht habe. Allerdings hätte es für die Wirtschaft insgesamt weitreichende Folgen, wenn die Mobilität weiter eingeschränkt werden müsste.

Lafontaine kritisiert Fokus auf Neuinfektionen

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Saarland, Oskar Lafontaine, kritisiert wiederum erneut, dass der Zahl der Corona-Neuinfektionen zu viel Beachtung geschenkt werde. Sie sei nicht geeignet, um die Lage zu beurteilen und Entscheidungen zu fällen. Er schlägt vor, stattdessen die Positiv-Rate zu nehmen.

Online-Simulator

Unter covid-simulator.com haben die Saar-Wissenschaftler einen Online-Simulator zur Verfügung gestellt, mit dem Nutzer verschiedene Corona-Szenarien selbst simulieren können. Auf der Seite findet sich auch der ausführliche Bericht der Projektgruppe, der wöchentlich aktualisiert wird.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 22.10.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja