Ein Mann lässt sich impfen. (Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa)

Vielversprechende Studie zu Corona-Impfstoff von Biontech

  09.11.2020 | 17:43 Uhr

Der von dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer entwickelte potenzielle Corona-Impfstoff ist nach Firmenangaben zu über 90 Prozent wirksam. Das teilten beide Unternehmen am Montag mit.

Video [aktueller bericht, 09.11.2020, Länge: 3:07 Min.]
Viel Zustimmung für Impfstrategie im saarländischen Landtag

Interview mit Jürgen Rissland Corona-Impfstoff von Biontech
Audio [SR 3, (c) SR, 09.11.2020, Länge: 04:00 Min.]
Interview mit Jürgen Rissland Corona-Impfstoff von Biontech

Biontech und Pfizer wollen demnach in der kommenden Woche in den USA die beschleunigte Genehmigung des Impfstoffs beantragen. Vor der Einreichung der sogenannten Notfallzulassung in den USA müsse noch ein notwendiger "Sicherheitsmeilenstein" erreicht werden, teilten die Firmen weiter mit.

Sie rechneten damit, dass dieser in der dritten Novemberwoche erreicht werde und kurz danach eine Notfallgenehmigung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt werden könne. Das Ziel einer Einreichung bis Ende November hatten sie dabei schon zuvor ausgegeben.

Rund 43.500 Teilnehmer

Blitzumfrage zum Corona-Impfstoff-Meldung
Audio [SR 3, Umfrage: Simin Sadeghi, 09.11.2020, Länge: 00:59 Min.]
Blitzumfrage zum Corona-Impfstoff-Meldung

Nach Angaben von Biontech und Pfizer erwies sich ihr Kandidat "in der ersten Zwischenanalyse als mehr als 90 Prozent wirksam im Schutz vor Covid-19-Erkrankung in Probanden ohne nachweisliche vorangegangene SARS-CoV-2-Infektion". Der von ihnen derzeit entwickelte Impfstoffkandidat befindet sich seit Juli in einer großangelegten klinischen Prüfung der sogenannten Phase drei, an der weltweit rund 43.500 Menschen teilnehmen.

Nach den aktuellen Richtlinien der US-Arzneimittelbehörde FDA müssen Hersteller in der dritten und letzten Testphase eines neuen Impfstoffs eine Nachbeobachtungszeit von mindestens zwei Monaten nach der zweiten Impfdosis einhalten. Dann liegen genügend Erkenntnisse zu Wirksamkeit und Sicherheit vor, um eine beschleunigte Zulassung beantragen zu können.

Noch kein Durchbruch

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach von einem "Riesensprung nach vorne", warnte aber, dass es noch kein Durchbruch sei. Es fehlten noch wissenschaftliche Arbeiten, sagte Montgomery. Er verwies auch darauf, dass große Erfahrungen mit RNA-Impfstoffen, deren Wirkmechanismus auf Ribonukleinsäure beruhen, bisher nicht vorhanden seien.

Auch der Homburger Virologe Jürgen Rissland äußerte sich noch etwas verhalten. Es sei zwar eine erfreuliche Nachricht, aber vorerst nur eine Zwischenanalyse. "Man muss abwarten, was die endgültigen Daten ergeben werden", so Rissland. Insbesondere ist er - wie viele Wissenschaftler in diesem Bereich - an den "Primärdaten" interessiert. "Also Daten, bei denen wir nachvollziehen können, welche Wirkung der Impfstoff hat. In welcher Altersgruppe er welche Wirkung hat. Und ob er tatsächlich in der Lage ist, diese schweren Verläufe zu verhindern", erklärte Rissland.

Zudem verwies er darauf, dass es auch bei Impfstrategie - also der Frage, wer zuerst geimpft werde - noch Diskussionsbedarf gebe.

Biontech-Gründer lernten sich im Saarland kennen

Zwei der Gründer von Biontech, Prof. Uğur Şahin und Özlem Türeci, lernten sich Ende der 90er an der Homburger Uniklinik kennen. Şahin habilitierte 1999 in Homburg in Molekularer Medizin und Immunologie, seine spätere Frau, Özlem Türeci studierte dort Medizin.

Saarbrücker Messegelände als Impfzentrum?

Das saarländische Gesundheitsministerium hatte Anfang Oktober angekündigt, erste Impfungen für bestimmte Personengruppen - wie etwa Pflegepersonal - könnten auf dem Saarbrücker Messegelände durchgeführt werden, sobald ein Impfstoff verfügbar sei. Durch das Testzentrum existiere dort bereits eine Infrastruktur, die zukünftig auch bei dem Impfvorhaben helfen könne. Dies könnte bereits ab dem Winter möglich sein, so das Ministerium.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 09.11.2020 berichtet.

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