Ein achtjähriges Mädchen sitzt in einer Nachhilfeschule  (Foto: picture alliance/dpa/Uwe Anspach)

Zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche

  05.05.2021 | 15:53 Uhr

Die Bundesregierung hat ein Hilfspaket auf den Weg gebracht, mit dem die Folgen der Corona-Krise für Kinder und Jugendliche abgemildert werden sollen. Mit insgesamt zwei Milliarden Euro sollen bis 2022 unter anderem Nachhilfe und Förderprogramme unterstützt werden. Saar-Bildungsministerin Streichert-Clivot begrüßt die Entscheidung.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022“ beschlossen. Durch das Hilfspaket soll unter anderem die Mitgliedschaft in Sportvereinen, Musikunterricht sowie die Teilnahme an Feriencamps gefördert werden. Ziel des Programms soll sein, dass Kinder und Jugendliche Gleichaltrige und Personen außerhalb der Kernfamilie treffen können, und das besonders bei Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen.

Bundesregierung beschließt Aufholpaket für Kinder und Jugendliche
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 05.05.2021, Länge: 02:41 Min.]
Bundesregierung beschließt Aufholpaket für Kinder und Jugendliche

20 Prozent mit Lernrückständen

Coronahilfe für Kinder und Jugendliche - eine Einschätzung aus der Praxis
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 06.05.2021, Länge: 04:44 Min.]
Coronahilfe für Kinder und Jugendliche - eine Einschätzung aus der Praxis

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb sagte dazu, rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen hätten durch die coronabedingten Schulschließungen Lernrückstände aufgebaut. „Wir investieren zwei Milliarden Euro, um schulische Lernrückstände aufzuholen und soziale Entwicklung zu fördern.“

„Die pandemiebedingten Folgen für Kinder und Jugendliche werden uns noch über Jahre beschäftigen“, erklärte die St. Wendeler CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön. Deshalb brauche es eine maßgeschneiderte und niedrigschwellige Unterstützung zum Abbau von Lernrückständen, aber auch zur Förderung frühkindlicher Bildung und für Freizeitaktivitäten.

Förderung für Vereine und Ehrenamt

Dazu gehören auch 30 Millionen Euro für die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt. „Mir war es ein besonderes Anliegen, dass auch das für unser gesellschaftliches Miteinander so unverzichtbare bürgerliche Engagement in Vereinen und Organisationen vor Ort unmittelbar profitieren kann“, so Schön.

Für bedürftige Familien soll es im August 100 Euro Freizeitbonus geben, der Zugang zu individueller Lernförderung über das Bildungs- und Teilhabepaket soll leichter werden. Die SPD-Abgeordnete Josephine Ortleb fügte allerdings hinzu: „Über das Paket hinaus müssen wir unsere Anstrengungen weiter verstärken, damit niemand zurückbleibt.“

Streichert-Clivot: Beschluss konsequent

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) begrüßte den Regierungsbeschluss. Der Bund trage für die Folgen der Pandemie einen „sehr großen Teil der Verantwortung“, deshalb sei der Beschluss nur konsequent.

Das Kabinett hat außerdem einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler auf den Weg gebracht. Dieser soll ab dem Schuljahr 2026/2027 für Erstklässler gelten. Ab August 2029 soll dann jedes Grundschulkind der Klassen eins bis vier einen Anspruch auf acht Stunden Betreuung pro Tag haben.

SLLV zweifelt an Umsetzung und Erfolg

Auch der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) zeigt sich erfreut über das Aufholprogramm. Allerdings zweifelt der Verband aufgrund der geplanten Umsetzung an dem Erfolg des Programms: „Wenn Nachhilfeinstitute oder Volkshochschulen nun die Versäumnisse der Politik ausbügeln sollen, ist das der falsche Weg. Hier kommt Personal zum Einsatz, das viel zu weit weg ist von den gezielten Bedarfen der Schülerinnen und Schüler“, so die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch.

Zudem stelle sich die Frage, ob diese freiwilligen Angebote dann überhaupt von den Familien in Anspruch genommen würden, deren Kinder die Unterstützung dringend benötigten. Stattdessen müsse die Unterstützung und Förderung direkt in den Schulen und im Unterricht ansetzen – mit mehr Lehrkräften und multiprofessionellen Teams.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 05.05.2021 berichtet.

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