Ralf Latz und Uwe Conradt (Foto: Imago Images/Becker Bredel)

Wer war verantwortlich für die üppigen Kosten?

Sandra Schick   18.09.2019 | 12:01 Uhr

Der neue Saarbrücker Oberbürgermeister ist noch nicht im Amt, schon gibt es Streit: Der zukünftige OB Uwe Conradt (CDU) und Bürgermeister Ralf Latz (SPD) streiten öffentlich, wer denn nun die Verantwortung für die opulente Planung des abgesagten Empfangs zur Amtseinführung inne hatte.

Urpsprünglich den Stein ins Rollen gebracht hatte der Bund der Steuerzahler. Dieser hatte in einem Interview mit dem SR vergangene Woche große Amtseinführungen der Rathauschefs als "nicht mehr zeitgemäß" kritisiert und als Beispiel die geplanten Empfänge in Saarbrücken und Neunkirchen genannt.

Video [aktueller bericht, 18.09.2019, Länge: 2:58 Min.]
Streit um Einführungsfeier von OB Uwe Conradt

So sollte die Amtseinführung des neuen Saarbrücker Oberbürgermeisters im Saarbrücker E-Werk mit Kosten von rund 26.000 Euro gefeiert werden. Nach einer breiten öffentlichen Diskussion über die Kosten, sagte der neue OB den Empfang kurzerhand ab. Seitdem streiten sich der neue CDU-Oberbürgermeister und der SPD-Bürgermeister, wer nun die Verantwortung für die opulente Planung inne hatte.

Conradt und Latz widersprechen sich

Interview mit Uwe Conradt
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 18.09.2019, Länge: 05:10 Min.]
Interview mit Uwe Conradt

Sowohl Conradt als auch Latz bezogen am Mittwoch in Interviews mit dem SR Stellung. Ihre Aussagen widersprechen sich.

Latz sagte, er habe dem künftigen OB zunächst eine Feier im Rathausfestsaal vorgeschlagen. Dieser habe dann aber den Wunsch geäußert, die Gästeliste deutlich zu erweitern. So sei man am Ende bei rund 700 Gästen gelandet. "Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass es bei dieser Größenordnung nur zwei Veranstaltungsorte gibt: das E-Werk oder die Saarlandhalle", so Latz. Man habe sich dann darauf geeinigt, dass die Stadt versuchen würde, das E-Werk für die Veranstaltung zu buchen.

Dass die Feier nun doch nicht stattfindet, wertet Latz als Vorsichtsmaßnahme: "Der neue OB hat offensichtlich kalte Füße bekommen als der Steuerzahlerbund nachgefragt hat, was der Empfang kostet."

Conradt: "Aus den Medien erfahren"

Feier zur Amtseinführung: Latz widerspricht Conradt
Audio [SR 3, Gerd Heger, 18.09.2019, Länge: 03:35 Min.]
Feier zur Amtseinführung: Latz widerspricht Conradt

Conradt hingegen sagte dem SR, Latz habe das E-Werk ohne Absprache mit ihm als Veranstaltungsort ausgewählt. "Ich habe aus den Medien erfahren, dass es das E-Werk wird." Auch von den Kosten der Feier habe er erst aus den Medien erfahren.

Dem widerspricht Latz: Conradt seien die hohen Kosten, die das E-Werk verursache, bekannt. Er habe schließlich jahrelang den Neujahrsempfang der bisherigen Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) im E-Werk als zu teuer kritisiert.

So habe Conradt zwar betont, er wolle kein opulentes Catering, allerdings habe Latz ihn darauf hingewiesen, dass das Catering nicht der maßgebliche Posten für die Veranstaltungskosten sei. Das sei der Veranstaltungsort, das E-Werk. Dieses schlage grundsätzlich mit Kosten von 16.000 bis 17.000 Euro zu Buche.

Bürobesuche statt große Party

Kosten, die die Stadt nun spart. Statt der großen Veranstaltung gibt es nun am 1. Oktober einfach ein "offenes Rathaus" wie Conradt es nennt. Alle Gäste, die zu der Feier kommen wollten, könnten ihn zwischen 14.00 und 18.00 Uhr in seinem Büro besuchen. Anschließend werde er um 18.30 Uhr den Gottesdienst in der Basilika St. Johann besuchen. Auch dazu seien die Bürger eingeladen.

Neunkirchen feiert mit 500 Gästen

Einschätzung von SR-Reporter Stephan Deppen
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 18.09.2019, Länge: 04:39 Min.]
Einschätzung von SR-Reporter Stephan Deppen

In Neunkirchen findet die Feier zur Amtsübergabe des Oberbürgermeisters hingegen wie geplant statt. Wie eine Sprecherin der Stadt dem SR sagte, findet die offizielle Amtsübergabe von Oberbürgermeister Jürgen Fried an Jörg Aumann am 30. September in der Gebläsehalle statt. Die Stadt rechnet mit Kosten im oberen vierstelligen Bereich. Geladen seien rund 500 Gäste.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 18.09.2019 berichtet.

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