Von links: Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU), der Trierer Bischof Stephan Ackermann und der Münchner Kardinal Reinhard Marx. (Foto: IMAGO/BeckerBredel/picture alliance/dpa/Sascha Ditscher/Sven Hoppe)

Conradt fordert Rücktritt von Ackermann und Marx

  27.08.2022 | 18:13 Uhr

Saarbrückens Oberbürgermeister Conradt hat den Rücktritt des Trierer Bischofs Ackermann gefordert. Hintergrund ist die Vorstellung des Zwischenberichts der Aufarbeitungskommission. Auch Ackermanns Amtsvorgänger, der heutige Münchner Kardinal Marx, müsse zurücktreten.

Nach der Vorstellung des Zwischenberichts der Aufarbeitungskommission des Bistums Trier am Donnerstag hat der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) den Rücktritt von Bischof Stephan Ackermann und seinem Amtsvorgänger gefordert, dem heutigen Münchner Kardinal Reinhard Marx. „Die Amtsträger im Bistum haben selbst Verantwortung und sind dieser bis in die jüngste Zeit nicht gerecht geworden“, schrieb Conradt bei Linkedin und Facebook.

Uwe Conradt: "Es verlangt von einem engagierten Christen, dass er etwas dazu sagt"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 29.08.2022, Länge: 04:14 Min.]
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Conradt: Verantwortung übernehmen

Der Zwischenbericht zeigte auf, wie Verantwortliche im Bistum Trier über Jahrzehnte sexuellen Missbrauch durch Priester vertuscht haben. Von 1946 bis 2021 seien 513 Opfer und 195 beschuldigte oder überführte Täter erfasst worden, heißt es darin.

Diese Zahlen seien erschreckend, so Conradt. „Es ist Zeit, dass Amtsträger, insbesondere der ehemalige Trierer Bischof Reinhard Marx und der aktuelle Bischof Stephan Ackermann Verantwortung übernehmen und von ihren Ämtern zurücktreten.“

Weiter schreibt Conradt: „Meiner Meinung nach haben Menschen, die Kinder missbrauchen, in einer christlichen Kirche nichts verloren. Für sie haben wir ein Strafgesetzbuch und einen Strafvollzug. Dies sollte auch für kirchliche Amtsträger vollumfänglich gelten.“ Des Weiteren regte er eine Diskussion in der CDU über kirchliche Privilegien an.

Kommission kündigt Studie an

Ackermann ist seit Mai 2009 Bischof von Trier. Zum Bistum gehören rund 1,3 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Die Kommission hatte vor rund einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen. Sie kündigte weitere Untersuchungen an, um die „eindeutige Rolle und Verantwortlichkeit“ der jeweiligen Leitungen und Bischöfe beurteilen zu können. Bis Mitte Oktober soll eine erste Studie zum Missbrauchsgeschehen in der Amtszeit des früheren Trierer Bischofs Bernhard Stein vorgelegt werden, gegen den es seit Längerem Vertuschungsvorwürfe gibt.

Missbit erwartet höhere Zahlen

Die Vereinigung der Missbrauchsopfer im Bistrum Trier (Missbit) teilte am Samstag mit, sie gehe davon aus, dass die Recherchen der unabhängigen Aufarbeitungskommission weitaus höhere Zahlen liefern würden. „Das Dunkelfeld lässt zehnfache Zahlen vermuten“, teilte Hermann Schell für den Vorstand mit.

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