Pingusson-Bau (Foto: SR)

Commerçon will wieder einziehen

Barbara Grech / Onlinefassung: Axel Wagner   09.08.2019 | 11:09 Uhr

Die Diskussion um den Pingussonbau in Saarbrücken, einst französische Botschaft, später Sitz des Kultusministeriums und seit Jahren leer stehend, ist in vollem Gange. Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) hält an einer Sanierung fest. Die Kosten würden auch durch EU-Förderung niedriger ausfallen als von Bauminister Klaus Bouillon (CDU) in Aussicht gestellt.

Während Bouillon keinen Hehl daraus macht, das ehemalige Kultusministerium, einen Betonbau im Bauhausstil aus den fünfziger Jahren, am liebsten dem Erdboden gleichmachen zu wollen, schüttelt Commerçon über so viel ignorante Hemdsärmeligkeit nur den Kopf. „Dieses Land brüstet sich, Brückenkopf zwischen Deutschland und Frankreich zu sein“, sagte Commerçon am Donnerstag bei seinem Sommergespräch mit Medienvertretern. „Dieses Land hat eine Frankreichstrategie entwickelt. Es wäre völlig absurd, und käme einer Selbstaufgabe dieses Landes gleich, dieses hochsymbolische Gebäude einfach aufzugeben.“

Video [aktueller bericht, 08.08.2019, Länge: 3:38 Min.]
Sommergespräch mit Bildungsminister Ulrich Commerçon

Soll heißen: Das Pingusson-Gebäude steht wie kein anderes Bauwerk für die Nachkriegsgeschichte des Saarlandes, und ohne diese wäre das Saarland kein eigenständiges Bundesland. Schon deshalb, und nicht nur wegen des architektonischen Wertes, müsse es erhalten werden – auch wenn es teuer wird.

Unklarheit über Zahlen

Von 53 Millionen Euro Sanierungskosten hatte Bouillon unlängst geredet. Doch Commerçon verfügt über andere Zahlen. Er verweist auf ein Schreiben an ihn aus dem Bauministerium. Darin sei von 40 Millionen Euro Kosten die Rede. „Das entspricht ziemlich genau dem, was wir immer erwartet haben. Wir zahlen zurzeit auch alleine 1,1 Millionen Euro an Miete, die wir einem privaten Investor jährlich aufs Konto überweisen.“

Kulturminister Commerçon hält am Pingusson-Gebäude fest
Audio [SR 3, Barbara Grech, 08.08.2019, Länge: 03:02 Min.]
Kulturminister Commerçon hält am Pingusson-Gebäude fest

Was für den Privatmann gilt, gilt auch fürs Land: Lieber das Geld in die eigenen vier Wände stecken als für Miete auf Nimmerwiedersehen zu verpulvern – zumal das Land die Finanzierung nicht alleine stemmen müsste. Commerçon verweist auf europäische Denkmalförderprogramme, die quasi ideal auf den Pingussonbau zugeschnitten seien. Deshalb sei er der Überzeugung, dass sich eine Sanierung mit einer guten Finanzierungsstrategie unterm Strich für das Saarland rechnen werde.

Was man dem Kulturminister allerdings vorhalten könnte: Warum wurde bislang kein kluges Nutzungskonzept für das Pingusson-Gebäude entwickelt? Doch Nichtstun will sich Commerçon nicht vorwerfen lassen. Man habe erst einmal eine Haushaltsunterlage Bau (HU-Bau) gebraucht, eine Sammlung von Unterlagen, um den Investitionsbedarf zu ermitteln. „Diese HU-Bau ist jetzt vorgelegt. Parallel dazu haben wir einen Ministerratsbeschluss herbeigeführt, in dem festgehalten ist, dass das Kultusministerium nach der Sanierung zurückziehen wird.“

Größeres Konzept fehlt

Ob der allerdings der Rückzug des Kultusministeriums reicht, um inhaltlich eine EU-Finanzierung zu begründen, bleibt abzuwarten. Der Vorwurf bleibt: Warum hat das Kultusministerium die Zeit nicht genutzt, um kluge Nutzungskonzepte zu entwickeln, im Hinblick auf die Frankreichstrategie beispielsweise die deutsch-französischen Institutionen, die es im Saarland ja gibt, in diesem Gebäude, nebst dem Kultusministerium, zu vereinen? Wie auch immer: man sollte anfangen, denn billiger wird die Restaurierung dieses Baudenkmals nicht. Das weiß auch Commerçon. „Ja, je länger man wartet beim Bauen, desto teurer wird’s. Das ist eine alte Erfahrung, aber es wird auch teurer, was wir an Miete zu zahlen haben. Die Kosten steigen gerade im Immobilienbereich. Und insofern ist es keine vernünftige Rechnung, heute zu sagen, wie die Preise in zehn oder fünfzehn Jahren sein könnten. Wenn man schnell macht, spart man Geld.“

Auch Stadtverwaltung kritisiert Bouillon

Auch Saarbrückens Baudezernent Heiko Lukas (parteilos) kritisiert den Vorstoß Bouillons. „Für die Stadt Saarbrücken ist der Pingussonbau der zentrale Baustein der Stadtentwicklung in Alt-Saarbrücken, auf den wir alle unsere Planungen und Wettbewerbsausschreibungen ausgerichtet haben“, sagte Lukas der „Saarbrücker Zeitung“. Ein Abriss konterkariere vor allem die Planungen für den Neubau der Handwerkskammer, der HWK-Bildungsakademie, die in Rauminhalten und Geschosshöhen auf das Denkmal ausgerichtet worden sei. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis des Bauministers für den Erhalt und keine negativen Signale.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 08.08.2019 berichtet.

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