Symbolbild: CISPA (Foto: SR / Felix Schneider)

Datenschutzstreit um Corona-App

  21.04.2020 | 19:53 Uhr

Das Cispa-Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit zieht sich aus der Entwicklung der Corona-Warn-App der Bundesregierung teilweise zurück. Die Saarbrücker Forschungseinrichtung nennt als Grund Sicherheitsbedenken.

Es müsse sichergestellt werden, dass eine solche App nicht umfunktioniert werden könne, um die Nutzer auszuspionieren, heißt es in einer Pressemitteilung des Cispa. Gemeinsam mit rund 300 weiteren IT-Experten bemängeln die Wissenschaftler des PEPP-PT genannten Projekts, auf dessen Basis auch die App der Bundesregierung entsteht, unter anderem mangelnde Transparenz bei der Entwicklung der Anwendung und nicht ausreichende Standards bei der Datenspeicherung. Eine Handy-App könne nur dann bei der Eindämmung der Pandemie helfen, wenn sie auch von der Bevölkerung akzeptiert werde und absolut vertrauenswürdig sei.

CISPA zieht sich aus Corona-App-Entwicklung zurück (21.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 21.04.2020, Länge: 02:39 Min.]
CISPA zieht sich aus Corona-App-Entwicklung zurück (21.04.2020)

Die vom Bund geplante Handy-App soll es ermöglichen, Menschen zu warnen, wenn sie Kontakt mit Personen hatten, die mit Corona infiziert sind. Das Cispa entwickelt stattdessen unter einem anderen Grundsatz weiter: DP-3T.

Hintergrund: PEPP-PT und DP-3T

Corona-App: "Der Datenschutz wäre Vertrauenssache und keine technische Lösung "
Audio [SR 3, Studiogespräch: Dorothee Scharner/Florian Mayer, 21.04.2020, Länge: 02:52 Min.]
Corona-App: "Der Datenschutz wäre Vertrauenssache und keine technische Lösung "

Das Projekt Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT), was mit “paneuropäische, die Privatsphäre erhaltende Nachbarschaftsüberwachung“ übersetzt werden kann, ist eine europäische Initiative, auf deren Basis nationale Apps entstehen sollen. Forscher kritisieren hier neben einer mangelnden Transparenz, dass die Daten zentral gespeichert werden sollen. Dabei bestehe die Gefahr einer großflächigen Überwachung.

Das Decentralised Privacy-Preserving Proximity Tracing (DP-3T) ist ein offenes Protokoll für die Nahbereichsverfolgung von Corona-Infektionen. Dabei werden Bluetooth-Funktionen des Handys genutzt. Die persönlichen Daten bleiben jedoch dezentral auf dem Telefon der Person. Ursprünglich gehörte DP3-T auch zum Projekt PEPP-PT. Da dort jedoch der zentralisierte Ansatz befürwortet wird, wurde das Protokoll aus dem Projekt herausgenommen.

DFKI Kaiserlautern forscht weiter mit

Das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserlautern hat hingegen im SR Fernsehen angekündigt, weiterhin an der Entwicklung von PEPP-PT mitzuwirken. Dort schlägt man vor, dass die zentrale Verwaltung der Daten vom Robert-Koch-Institut übernommen werden sollte. Dies habe in der Corona-Krise eine breite Akzeptanz.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 21.04.2020 berichtet.

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