Landtagsdirektor Christof Zeyer (Foto: Imago / Becker & Bredel)

Christof Zeyer im Visier der Staatsanwaltschaft

Thomas Gerber   18.10.2019 | 22:00 Uhr

Nach Ex-Landtagspräsident Klaus Meiser (CDU) ist Landtagsdirektor Christof Zeyer ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Behörde wirft dem hohen Beamten im Range eines Staatssekretärs besonders schwere Untreue vor.

CDU-Mitglied Zeyer ist jüngst von den Ermittlern vernommen worden. Inzwischen geht es auch bei ihm um eine Kreditkarte des Landtags. Zeyer soll die Karte ähnlich wie sein ehemaliger Chef Meiser "missbräuchlich" genutzt und so Geld des Steuerzahlers  ungerechtfertigt verwandt haben.

Gut vier Stunden lang ist Zeyer nach SR-Informationen in Anwesenheit seines Verteidigers vom ermittelnden Staatsanwalt befragt worden. Im Mittelpunkt der Vernehmung: eine Reise einer Delegation des saarländischen Landtags nach München. Am 31. Mai und 1. Juni 2017 waren die "Saarländer" unter Federführung von Präsident Meiser zu Gast bei den bayrischen Kollegen.

Flugzeug statt Limousine

Anlass war das Sommerfest der Stiftung Maximilianeum, die im Landtag zu München residiert und auch schon mal Hochbegabte im Saarland gefördert haben soll. Genutzt wurde die Reise, so der aktuelle Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU), auch zu einem "Gespräch mit der Hausspitze" des bayrischen Parlaments. An diesem Trip nach München hatten insgesamt neun Personen teilgenommen.

Meiser wurde von seiner Büroleiterin und damaligen Lebensgefährtin begleitet. Neben Direktor Zeyer reisten noch drei Abteilungsleiter und der Personalratsvorsitzende an die Isar, zwei Fahrer chauffierten in zwei Wagen einen Teil der Delegation. Die schwarzen Luxuslimousinen blieben allerdings ziemlich leer. Vier Teilnehmer nahmen nämlich den Flieger, was den Steuerzahler zusätzlich zu den Hotelkosten von 2.557,40 Euro nochmal 664,56 Euro extra kostete.

Kreditkarte des Landtags genutzt

Die guten Beziehungen zwischen dem Saarbrücker und dem Münchner Landtag bestehen schon seit Jahrzehnten, Reisen nach München haben Tradition. Meiser und Zeyer waren innerhalb von zwei Jahren insgesamt fünf Mal bei den Bayern. Gegen diesen regen parlamentarischen Austausch hat die Staatsanwaltschaft grundsätzlich nichts einzuwenden - allenfalls der Steuerzahlerbund könnte sich dafür interessieren. Aber bei der Tour Ende Mai 2017 soll Zeyer über die Stränge geschlagen haben.

Wie sein Chef Meiser verfügte Direktor Zeyer nämlich über eine eigene Kreditkarte des Landtags. Den Ermittlern sind zwei Buchungen aufgefallen. Nach SR-Informationen kam Zeyers Kreditkarte zu später Stunde in der Night Bar des Fünf-Sterne Hotels Bayrischer Hof zum Einsatz und tags darauf in einem Schwabinger Edelitaliener. Die "Absacker" für die saarländische Delegation in der Bar kosteten den Steuerzahler laut Staatsanwaltschaft 258,30 Euro. Das Essen beim Italiener verschlang demnach stolze 378 Euro.

Magnum-Flaschen Wein auf der Rechnung

Nach SR-Informationen stehen Whisky für gut 20 Euro und zwei Magnum-Flaschen Wein für je 150 Euro auf den Rechnungen. Selbst für den protokollarisch höchsten Repräsentanten im Saarland (Landtagspräsident) dürfte das kaum mehr "sozialadäquat" sein. Zumal es sich nach Ansicht der Ermittler eher um private als um dienstliche Anlässe gehandelt haben dürfte. Die Staatsanwaltschaft geht auch von Untreue aus und zwar in einem besonders schweren Fall, da Zeyer Amtsträger ist.

Zeyers Verteidiger dementiert

Zeyers Verteidiger Jens Schmitt sieht es komplett anders. In seiner vierstündigen Vernehmung habe sein Mandant weitere Vorwürfe wegen Restaurantbesuchen, die Präsident Meiser mit seiner Landtagskreditkarte bezahlt und die Zeyer als Direktor abgezeichnet haben soll, widerlegen können. Und auch was die Reise nach München angehe, werde er demnächst in einer schriftlichen Stellungnahme den Untreuevorwurf entkräften.

Ein Landtagsmitarbeiter, der Zeyer in seiner Vernehmung belastet habe, sei zwischenzeitlich selbst Beschuldigter und habe "Unfug" erzählt. Dass dieser "Unfug" zu einer Anklage gegen Zeyer  führen könnte, ist dennoch nicht ganz unwahrscheinlich.

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