Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

AKK präsentiert sich als erfahrene Regierungschefin

dpa   16.11.2018 | 07:23 Uhr

Bei der CDU haben sich am Donnerstagabend mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn die drei aussichtsreichsten Kandidaten für den künftigen Vorsitz zum ersten Mal den Mitgliedern an der Basis vorgestellt. In Lübeck fand die erste von acht Regionalkonferenzen statt.

Kurz vor dem Auftritt der Kandidaten wurde der neue ARD-Deutschlandtrend bekannt. Eine Befragung der CDU-Anhänger Anfang der Woche ergab demnach, dass 46 Prozent der Ansicht seien, die CDU-Generalsekretärin sollte neue CDU-Chefin werden. 31 Prozent sagen, dies sollte Merz werden und 12 Prozent sprachen sich für Spahn aus. Eine Vorentscheidung? Sicherlich nicht. Es sind nicht einfache CDU-Anhänger, sondern die 1001 Delegierten, die auf dem Parteitag am 7. Dezember in Hamburg entscheiden, wer es wirklich wird.

Merz und die Steuern

Eher ruhige Töne von AKK
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Eher ruhige Töne von AKK
Wie sich die Saarländerin "AKK" geschlagen hat, darüber spricht SR-Moderator Frank Hofmann mit Alex Krämer aus den ARD-Hauptstadtstudio.

Wie schlugen sich nun die Kandidaten auf der Regionalkonferenz in Lübeck? Kramp-Karrenbauer, die zwischen ihren beiden hoch gewachsenen Kontrahenten steht, gibt die erfahrene Regierungschefin. Sie habe - im Gegensatz zu den beiden anderen - schon harte Wahlkämpfe geführt und vor allem gewonnen. Sie spricht die Herzen der Parteimitglieder an. Merz versucht, sich als Wirtschaftskopf zu präsentieren, kühl mit erhobenem Zeigefinger. Und er spielt mit der Angst der Bürger vor einem bevorstehenden Wirtschaftseinbruch. Und ja, er stehe dazu, ein effektives und einfaches Steuersystem sei möglich, vielleicht lasse sich das heute nicht mehr auf den Bierdeckel malen.

Kramp-Karrenbauer nimmt den Steuerfachmann direkt in die Pflicht: Sie erhoffe sich von ihm ein effizientes Steuersystem - sobald sie Parteichefin ist, heißt das wohl. Spahn, der nervös wirkt, setzt vor allem auf das Thema Innere Sicherheit. Er sieht sich wohl auch im Hintertreffen und versucht, durch eine schärfere Tonalität wieder nach vorne zu kommen. Es brauche Mut zu einem echten Neustart, sagt der Gesundheitsminister.

Nächste Regionalkonferenz in Mainz

In Lübeck präsentierten die Bewerber erstmals ihre Vorstellungen zur Zukunft der Partei vor rund 900 Christdemokraten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Es folgen sieben weitere Regionalkonferenzen, unter anderem am 20. November in Idar-Oberstein. Im Saarland ist keine Veranstaltung geplant. Auf einem Bundesparteitag am 7. und 8. Dezember in Hamburg sollen dann die 1001 Delegierten über den Parteivorsitz entscheiden.

Union nur noch drei Punkte vor den Grünen

Übrigens: Bei der Sonntagsfrage bleiben die Regierungsparteien bei den niedrigsten Werten, die im ARD-Deutschlandtrend jemals für sie gemessen wurden. Die Union steht demnach stabil bei 26 Prozent. Die SPD verliert einen Punkt und erreicht 14 Prozent. Dagegen hält der Aufwärtstrend der Grünen weiter an, sie legen um sechs Punkte auf 23 Prozent zu. Der Merz- oder auch der Kramp-Karrenbauer-Effekt scheinen also bisher ausgeblieben zu sein. Es bleibt spannend. Zuletzt könnte es auf die Stimmung beim Parteitag Anfang Dezember ankommen.

"AKK hat ganz gut abgeschnitten"
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Alex Krämer, 16.11.2018, Länge: 05:17 Min.]
"AKK hat ganz gut abgeschnitten"
Im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger berichtet Hauptstadtkorrespondent über die Stimmungslage in Lübeck.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 15.11.2018 berichtet.

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