Das Atomkraftwerk Cattenom im März 2019 (Foto: Lisa Huth/SR)

Cattenom bis mindestens 2035 am Netz

Axel Wagner   10.10.2019 | 16:00 Uhr

Es gibt zurzeit keine Pläne, das Atomkraftwerk in Cattenom abzuschalten. Bis mindestens 2035 soll das AKW in vollem Umfang weiterlaufen. Entsprechende Vorhaben Frankreichs hat die Bundesregierung in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung bestätigt. Bedenken gegen dieses Vorgehen habe man allerdings noch nicht geäußert.

Das AKW in Cattenom sorgt wegen zahlreicher Pannen immer wieder für Schlagzeilen und Kritik, vor allem aus dem Saarland, Luxemburg und Rheinland-Pfalz. Trotzdem will die französische Regierung das Werk weiter offen lassen und hat dem Betreiber Electricité de France (EDF) sogar erlaubt, eine neue Generation Brennstäbe einzusetzen. Aus der mehrjährigen Planung des französischen Umweltministeriums geht hervor, dass AKW-Blöcke mit einer Nettoleistung von 1.300 Megawatt – dazu gehört auch Cattenom –, bis mindestens 2035 weiterlaufen sollen.

Anrainerstaaten bislang nicht befragt

Die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Sylvia Kötting-Uhl (Grüne) wollte nun wissen, ob die Bundesregierung bereits bei der französischen Regierung um Konsultationen hinsichtlich dieses Vorgehens gebeten hat. Eigentlich sollten bei einer solchen Laufzeitverlängerung die Anrainerstaaten und die Öffentlichkeit vorab befragt werden. Das ist bislang nicht der Fall, und die Bundesregierung ist bis jetzt nach eigenen Angaben auch nicht aktiv geworden.

„Das Desinteresse und das mangelnde Engagement der Bundesregierung bezüglich der französischen AKW-Laufzeiten sind inakzeptabel“, sagte Kötting-Uhl, die auch atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion ist, dem „Trierischen Volksfreund“. Die Regierung müsse in Frankreich die schnellstmögliche Abschaltung Cattenoms fordern.

Tressel fordert frühere Abschaltung

Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel sieht Bundes- und Landesregierung in der Pflicht, sich für eine schnelle Abschaltung Cattenoms einzusetzen. "Der Gewinn des Kraftwerks wird allen Pannen, Störfällen und Schwächen zum Trotz deutlich höher eingestuft, als die Sicherheit und Gesundheit der saarländischen Bürgerinnen und Bürger." Daher solle der Meiler allerhöchstens so lange am Netz bleibt, wie Fessenheim. Dieser wird im kommenden Jahr nach 42 Jahren im Betrieb abgeschaltet. Cattenom solle demnach spätestens 2027 abgeschaltet werden.

Der Linken-Abgeordnete Ralf Georgi bezeichnet die Untätigkeit der Bundesregierung als verantwortungslos. Es sei ein Affront für die Menschen im Saarland, in Rheiland-Pfalz und in Luxemburg, dass das AKW bis 2035 laufen soll. Auch Georgie sieht Handlungsbedarf: "Es muss endlich mit Frankreich über eine Abschaltung des lothringischen AKW’s verhandelt werden, wobei eine faire Lösung für die Fragen des notwendigen Ausfallstroms, der Netze und der Finanzierung der dabei entstehenden Kosten gefunden werden muss.“

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 10.10.2019 berichtet.

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