Das Atomkraftwerk in Cattenom (Foto: SR)

Cattenom: Mehr als 50 Zwischenfälle 2018

mit Informationen von Barbara Spitzer   04.06.2019 | 20:04 Uhr

Im Atomkraftwerk Cattenom hat es im vergangenen Jahr insgesamt 52 registrierte Vorfälle gegeben - genauso viele wie 2017. Das hat die französische Atomaufsicht auf ihrer jährlichen Pressekonferenz in Metz mitgeteilt.

Sie gibt sich gerne einen grünen Anstrich: Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN. Nicht zufällig stellt sie ihre Cattenombilanz im Haus für erneuerbare Energien der Region Grand Est vor. Aber das Ambiente ändert nichts an den Tatsachen: 52 Zwischenfälle hat es im Jahr 2018 in Cattenom gegeben, davon vier auf dem Niveau 1 der internationalen Skala für Atomunfälle.

Video [aktueller bericht, 04.06.2019, Länge: 2:57 Min.]
Jahresbilanz zur Sicherheit in Cattenom

Insgesamt stagniert die Zahl der Zwischenfälle damit seit zwei Jahren auf hohem Niveau. Für die Atomaufsichtsbehörde hat das aber nichts mit den rund 30 Jahren zu tun, die die Anlage auf dem Buckel hat. "Die Zwischenfälle in Cattenom haben zum größten Teil nichts mit dem Alter der Anlage zu tun. Das sind Zwischenfälle, die eher etwas mit Wartungsarbeiten und mit der Energiegewinnung zu tun haben, also mehr mit dem Alltag der Anlage als mit ihrem Zustand oder der Alterung der Anlage", sagte ASN-Direktor Pierre Bois.

Warten auf die Notstromaggregate

Der Jahresbericht der französischen Atomaufsicht
Audio [SR 3, Lisa Huth, 04.06.2019, Länge: 04:11 Min.]
Der Jahresbericht der französischen Atomaufsicht

Gelassen nimmt die Atomaufsicht auch die nicht gemachten Hausaufgaben des Cattenom-Betreibers EDF. Denn neun Jahre nach dem Gau in Fukushima sind die erdbebensicheren Notstromaggregate, die damals zur Auflage gemacht wurden, immer noch nicht installiert – weder in Cattenom noch anderswo. Das Ultimatum dafür Ende 2018 ist verstrichen, ohne Konsequenzen für EDF.

Verspätung ist auch das Thema beim lange geplanten Aus für das AKW Fessenheim im Elsass. Weil sich der Bau eines neuen Reaktors in Flamanville verzögert, bleibt auch Frankreichs ältestes AKW vorerst am Netz. Als neuen Abschalttermin nannte die ASN nun das Jahr 2020. Für den Rückbau sei aber noch kein Antrag eingegangen.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht im SR Fernsehen vom 04.06.2019 berichtet.

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