Kinder steigen in einen Schulbus ein (Foto: dpa/Franziska Kraufmann)

Das Problem mit den Waben

Kai Forst mit Informationen von Nelly Theobald   02.10.2017 | 12:05 Uhr

Knapp 90 Euro für eine Schüler-Monatskarte mit dem Bus? Das kann schnell passieren, wenn Wohnort und Schule in zwei verschiedenen Landkreisen liegen. Im Nordsaarland ist das für viele Eltern Realität. Schuld daran ist das Waben-System des Saar-VV.

14 Kilometer liegen zwischen Otzenhausen im Landkreis St. Wendel und der Graf-Anton-Schule im Landkreis Wadern. Für Eltern, deren Kinder diesen Weg mit dem Bus zur Schule zurücklegen, ist das eine teure Angelegenheit. Denn 85,67 Euro muss eine Familie für die Monatskarte für ein Kind bezahlen.

Das mit 57 Euro wesentlich günstigere Schülerlandkreisticket kommt nicht in Frage, da eine Landkreisgrenze überschritten wird. Einige Eltern verzichten daher inzwischen auf den Bus und haben Fahrgemeinschaften gegründet. Jeden Tag werden die Kinder von einem anderen Elternteil zur Schule gebracht und wieder abgeholt.

Eine Menge Waben auf dem Land

Doch wie kann der Schulbus für gerade einmal 14 Kilometer so teuer sein? Das Problem ist das Tarifsystem des Saar-VV. Oder einfacher gesagt: Das Problem sind die Waben. Gerade auf dem Land gibt es davon eine ganze Menge – auch wenn die Distanzen gering sind. Und je mehr Waben durchfahren werden, desto teurer wird der Fahrpreis.

Nicht nur aus dem Landkreis St. Wendel, auch aus dem Landkreis Saarlouis kommen Schüler aufs Gymnasium oder die Gemeinschaftsschule in Wadern, sagt Ellen Küneke, die Schulleiterin des Hochwaldgymnasiums. „Wenn man sich die Wabenstrukturen hier in Wadern anschaut, merkt man wie viele das sind. Und damit werden das ganz kostenintensive Tickets für unsere Schülerinnen und Schüler.“

Sechs Waben von Otzenhausen nach Wadern

Sechs Waben sind es von etwa von Otzenhausen nach Wadern, wodurch die knapp 90 Euro zustande kommen. Die Eltern sind sauer. Zumal es offenbar eine Alternativ-Strecke gäbe, die mit vier Waben auf 19 Kilometern wesentlich günstiger wäre. Aber die wird nicht angefahren.

Der stellvertretende Schulleiter der Graf-Anton-Schule, Werner Feid, in Wadern will für die Zukunft Klarheit und eine Lösung im Sinne der Eltern. „Wir fordern, dass insbesondere über die Kreisgrenzen hinaus ein ähnliches Konstrukt wie das Kreisticket ins Leben gerufen wird, dass die Schüler also zu einem festen Preis wie das Kreisticket für 57,50 Euro zu einer Schule ihrer Wahl fahren können.“

Das fordert auch der Landrat von St. Wendel, Udo Recktenwald. Im Ministerium will man durch ein Gutachten, das im Oktober vorgestellt wird, erfahren, wo es Sinn macht, zu bezuschussen. Klar ist, der Wabenplan soll im kommenden Jahr das erste Mal, seit er vor zwölf Jahren eingeführt wurde, überarbeitet werden.

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