Küken in Stall (Foto: dpa/ Philipp Schulze)

Kükentötungen bleiben vorerst erlaubt

mit Informationen von dpa   13.06.2019 | 10:18 Uhr

Das Bundesverwaltungsgericht hat das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht vorerst noch als rechtmäßig bestätigt. Bis zur Einführung von alternativen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei dürfen Brutbetriebe männliche Küken weiter töten, urteilte das Gericht in Leipzig am Donnerstag.

Interview: "Es ist für mich eine ethische Frage"
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer, 13.06.2019, Länge: 03:22 Min.]
Interview: "Es ist für mich eine ethische Frage"

Die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien sind nach Auffassung des Gerichts zwar allein kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Fortsetzung der Praxis aber noch rechtmäßig. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Kükentöten 2013 per Erlass stoppen wollen. Zwei Brütereien aus NRW klagten dagegen.

Nach Angaben von Ökotest starben allein 2017 in Deutschland schätzungsweise mehr als 40 Millionen männliche Legehennenküken. Im Vergleich zu Masthähnchen setzen sie nicht genug Fleisch an und sind für die Erzeuger schlicht wertlos.

Daher werden sie kurz nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert. Unter dem Stichwort "Küken-Schreddern" hat diese Praxis unrühmliche Bekanntheit erreicht. Heute werden sie nach Angaben der Geflügelwirtschaft nicht mehr lebendig geschreddert, sondern mit CO2 zunächst betäubt und dann getötet. Auch in der Bio-Branche ist das Kükentöten verbreitet.

Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei

Gespräch mit Tierschützer Dr. Thomas Bartels
"Es sind im Prinzip wenige Cent pro Ei"

Derzeit wird nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsminsteriums vor allem an zwei Verfahren geforscht, die das Kükentöten in Zukunft überflüssig machen sollen. Angewendet werde bereits das "endokrinologische" Verfahren. Dabei wird aus dem bebrüteten Ei Flüssigkeit gewonnen, die eine Geschlechtsbestimmung ermöglicht.

Nur Eier, die weibliche Küken hervorbringen, werden dann ausgebrütet, männliche nicht. Das Verfahren sei "auf dem Weg zur Serienreife", so das Ministerium. Eine weitere Möglichkeit ist das "spektroskopische" Verfahren. Hier wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Jost bezeichnet Urteil als "nicht zufriedenstellend"

Der saarländische Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) ist mit dem Urteil nicht zufrieden. Er kritisiert, dass die Richter bezüglich eines Verbots der Kükentötung "reichlich unkonkret" blieben. Ein Verbot sei zwar in Aussicht gestellt worden, aber ein Zeitpunkt werde mit Verweis auf die Prüfung alternativer Verfahren nicht genannt. Es bestehe nun die Gefahr, dass die Umstellung auf ein Alternativverfahren "auf die lange Bank" geschoben werde.

Dabei müssten diese Alternativverfahren längst zur Verfügung, moniert Petra Fretter, die tierschutzpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion: „Das Kükenschreddern ist barbarisch und muss endlich verboten werden. Es ist unmöglich, dass diesem ethisch zutiefst verwerflichen Vorgehen eigentlich bereits 2013 ein Riegel vorgeschoben werden sollte und es angeblich noch immer keine Alternativverfahren gibt."

Weitere Informationen:

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 13.06.2019 berichtet.

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