Ein Stahlarbeiter bearbeitet eine Stahlpfanne. (Foto: picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa)

Bundesregierung will Stahlindustrie unterstützen

  15.07.2020 | 20:00 Uhr

Die Bundesregierung will die angeschlagene deutsche Stahlindustrie unterstützen. Hintergrund ist neben der Corona-Krise auch die angespannte Lage auf den Märkten sowie die Umstellung auf eine klimafreundlichere Produktion. Saar-Wirtschaftsministerin Rehlinger fordert nun konkrete Taten.

Eine langfristig starke, international wettbewerbsfähige und klimaneutrale Stahlindustrie am Standort Deutschland sei für die Zukunft des Landes von "herausragender Bedeutung", heißt es in einem Handlungskonzept Stahl. Das vom Bundeskabinett am Mittwoch beschlossene Handlungskonzept lag der Deutschen Presse-Agentur vorab vor.

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Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) begrüßte den Beschluss grundsätzlich, mahnte jetzt aber auch konkretes Handeln an. "Deutschland muss die EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzen, die heimische Industrie vor einer Importschwemme aus Drittstaaten zu schützen und massive Investitionen in die Zukunft der Stahlstandorte wie dem Saarland endlich tatsächlich zu machen", sagte Rehlinger. Papier sei geduldig, dringend gebraucht würden jetzt aber Taten.

Wichtiger Industriesektor gefährdet

In dem von dem Bundesregierung beschlossenen Konzept wird auf die schwierige Lage der Branche verwiesen. Seit 2010 sei die Stahlproduktion in Deutschland um rund zehn Prozent gesunken, die Zahl der Beschäftigten um rund 4000 auf 86.000. "Eine Fortsetzung und Beschleunigung dieser Entwicklung könnte über kurz oder lang zur Gefährdung dieses wichtigen Industriesektors führen."

Nachfrageeinbruch wegen Corona-Krise befürchtet

Zu befürchten sei, dass durch die Corona-Krise die globale Stahlnachfrage noch stärker einbrechen werde als während der Finanzkrise 2009. Dazu kommt eine weltweite Überproduktion, getrieben vor allem durch China, sowie Dumpingpreise.

Die Bundesregierung wolle daher nun ein politisches Gesamtkonzept für eine langfristig starke, international wettbewerbsfähige und klimaneutrale Stahlindustrie am Standort Deutschland vorlegen, wie es aus Regierungskreisen hieß. Stahl solle auch langfristig innerhalb Europas nach den europäischen Umwelt- und Klimaschutzstandards konkurrenzfähig produziert werden.

Für Lars Desgranges, den Stahlbeauftragten der IG-Metall Saarland, ist das Handlungskonzept gerade deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Die Stahlindustrie sei bisher bei der Frage der Nachhaltigkeit alleine gelassen worden. "Es gab zwar aus Europa unendlich viele Auflagen, aber wie man dahin kommt, ist bislang offen geblieben. Jetzt liegt endlich mal ein Plan vor, wie diese zurecht gesetzten Ziele erreicht werden können", sagte er dem SR.

Wasserstoff spielt Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle beim Umbruch spielt die industrielle Nutzung von Wasserstoff. Die Bundesregierung hatte bereits eine Nationale Wasserstoffstrategie vorgelegt. Dem Handlungskonzept Stahl vorausgegangen war ein Maßnahmenpapier, auf das sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit der Branche verständigt hatte.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 15.07.2020.

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