Schild mit Aufschrift "closed" hängt an der Eingangstür zu einem mit Rolltor geschlossenen Geschäft. (Foto: IMAGO / Ralph Peters)

Harter Lockdown über Ostern

Mit Informationen von Carolin Dylla   23.03.2021 | 12:40 Uhr

Bund und Länder haben einen fünftägigen verschärften Lockdown in der Osterwoche mit harten Kontaktbeschränkungen beschlossen - das öffentliche Leben soll weitestgehend ruhen. Insgesamt wird der Lockdown bis zum 18. April verlängert.


Kanzlerin Merkel macht Rückzieher
Update 24.03.: Pläne für Ruhetage an Ostern gestoppt
Bundeskanzlerin Merkel hat nach massiver Kritik den Bund-Länder-Beschluss zu den Ruhetagen über Ostern inzwischen wieder gekippt.


Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben Bund und Länder eine zeitweilige Verschärfung der geltenden Beschränkungen beschlossen. Die Regierungschefs einigten sich auf eine "erweiterte Ruhezeit" zu Ostern. Der Gründonnerstag und der Karsamstag sollen zu Ruhetagen erklärt werden, sodass das Land vom 1. April bis zum Ostermontag am 5. April komplett herunterfährt. Nur am Karsamstag soll der Lebensmittelhandel "im engeren Sinne" öffnen dürfen, erläuterte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am frühen Dienstagmorgen. "Es gilt damit an fünf zusammenhängenden Tagen das Prinzip #WirBleibenZuHause", heißt es in dem Papier.

Harter Lockdown über Ostern beschlossen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 23.03.2021, Länge: 02:23 Min.]
Harter Lockdown über Ostern beschlossen

Was bedeuten die aktuellen Coronabeschlüsse für uns im Saarland?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Janek Böffel/Carolin Dylla, 23.03.2021, Länge: 03:39 Min.]
Was bedeuten die aktuellen Coronabeschlüsse für uns im Saarland?

Wie dieser Beschluss im Saarland konkret umgesetzt wird, wird im Moment noch geklärt und muss dann von der Landesregierung in einer neuen Rechtsverordnung umgesetzt werden. Genauere Informationen werden im Laufe des Mittwochs erwartet.

Audio: Ostern wird es sehr still
Audio [SR 1, (c) SR 1 Christian Balser, Evi Seibert, 23.03.2021, Länge: 02:23 Min.]
Audio: Ostern wird es sehr still

Ostergottesdienste mit Präsenzpublikum soll es laut Beschluss möglichst nicht geben, religiöse Versammlungen sollten nur virtuell abgehalten werden. Bundeskanzlerin Merkel hatte betont, dass es sich dabei um eine Bitte handele. Soweit Außengastronomie geöffnet ist, soll sie während der fünf Tage geschlossen werden.

Auch bei den Kontaktbeschränkungen bleibt es zu Ostern: Treffen dürfen sich zwei Haushalte, maximal aber fünf Personen, wobei Kinder unter 14 Jahre nicht mitgezählt werden. Zur bislang bestehenden Regelung im Saarland ist das nur eine kleine Änderung: Die Zahl der maximal zulässigen Personen bleibt gleich - allerdings wird der Kreis auf einen weiteren Haushalte beschränkt. Aktuell sind noch zwei Haushalte erlaubt, solange einer davon einen familiären Bezug hat.

Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer

Bund-Länder-Gespräche: Öffnungsperspektiven für das Saarland
Audio [SR 1, (c) SR 1 Christian Balser, Florian Mayer, 23.03.2021, Länge: 02:52 Min.]
Bund-Länder-Gespräche: Öffnungsperspektiven für das Saarland

Bund und Länder appellieren, auf nicht zwingend notwendige Reisen im In- und Ausland zu verzichten. Die Bundesregierung will zudem einen Test vor dem Abflug für die Einreise nach Deutschland vorschreiben - dafür müsste allerdings der Bundestag einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes zustimmen.

Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz wollten ihren Bürgern Urlaub in Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Appartements, Wohnwagen und Wohnmobilen möglich machen, sofern diese über eigene Sanitäreinrichtungen verfügen und auch das Essen in Eigenregie organisiert werden kann. Davon ist im Beschluss nichts mehr zu finden.

Notbremse für Landkreise mit Inzidenz über 100

Lockdown: Verschärfung und Verlängerung bis 18. April
Audio [SR 2, Holger Büchner / Björn Dake, 23.03.2021, Länge: 03:03 Min.]
Lockdown: Verschärfung und Verlängerung bis 18. April

Die bereits im März vereinbarte Notbremse soll in Landkreisen mit hohen Inzidenzwerten konsequent umgesetzt werden. Das zumindest wird in dem Papier ausdrücklich gefordert. Das heißt: Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei folgenden Tagen auf über 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, treten die alten Regeln wieder in Kraft. Außerdem sind noch weitergehende Schritte möglich. Aufgezählt werden dabei als Beispiele neben Ausgangsbeschränkungen auch eine Tragepflicht medizinischer Masken von Mitfahrern im privaten Pkw, wenn diese nicht dem Hausstand des Fahrers angehören. Diese Regel gilt bereits seit Mitte Februar im Saarland. Auch die Pflicht von Schnelltests sowie verschärfte Kontaktbeschränkungen werden als weitere Maßnahmen in dem Beschluss genannt.

Fortsetzung des Homeoffice und Tests an Schulen

Arbeitgeber sollen weiterhin Homeoffice ermöglichen. Wo das nicht geht, sollen sie regelmäßige Tests anbieten, "mindestens einmal und bei entsprechender Verfügbarkeit zwei Mal pro Woche". Auch an Schulen soll vermehrt getestet werden: Sobald wie möglich sollen Beschäftigte in Schulen und Kitas sowie Schülerinnen und Schüler zwei Mal pro Woche getestet werden.

Hans will Systemwechsel einläuten

Der saarländische Ministerpräsident zum aktuellen Corona- Bund-Länderbeschluss
Audio [SR 3, SR 3, 23.03.2021, Länge: 03:05 Min.]
Der saarländische Ministerpräsident zum aktuellen Corona- Bund-Länderbeschluss

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat eine weitere gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung gefordert, um die bundesweit anrollende dritte Corona-Welle zu brechen. Die beschlossene "Erweiterte Ruhezeit zu Ostern" soll dabei einen kraftvollen Beitrag leisten. "Indem wir diese Zeit zu einer bestmöglichen Absenkung der Infektionen nutzen, werden wir einen Systemwechsel einläuten", so Hans. Zusammen mit der Teststrategie werde das helfen, verantwortungsvoll weitere Erleichterungen des täglichen Lebens umsetzen zu können, ohne dabei einen Anstieg der Neuinfektionen zu riskieren.

Mehr Tests, mehr Öffnungen für die Menschen und die betroffenen Wirtschaftsbranchen lautet das Motto. Das Saarland will die in den Beschlüssen geschaffene Möglichkeit nutzen, in Modellversuchen weitere Erleichterungen auszuprobieren - gekoppelt an umfassende Tests und eine konsequente Kontaktnachverfolgung. 

Pläne für Modellregion

Details dazu, ab wann diese Modellregionen starten und wie genau sie aussehen, gibt es bisher aber keine: weder im Bund-Länder-Beschluss noch in der Stellungnahme des Ministerpräsidenten. Positiv sind aus Sicht von Hans auch die im Bund-Länder-Papier vorgesehenen ergänzenden Wirtschaftshilfen für Unternehmen, die besonders schwer und lange von den Anti-Corona-Maßnahmen getroffen sind. Wie genau die aussehen werden, ist in dem Papier noch nicht festgehalten.

Interview mit SR Reporterin Diana Kühner-Mert über die Lockdownverlängerung
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 23.03.2021, Länge: 03:00 Min.]
Interview mit SR Reporterin Diana Kühner-Mert über die Lockdownverlängerung

Wegen der nach wie vor begrenzten Menge an Impfstoffen sei der Fortschritt noch nicht so groß, dass die Impfungen bereits jetzt für nachhaltige Entspannung sorgten. Die Landesregierung werde in den kommenden Tagen die Verordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Saarland diskutieren und an die Bund-Länder-Beschlüsse anpassen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 23.03.2021 berichtet.

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