Saarland - Großbritannien (Foto: dpa/Micheal Kappeler/SR)

Saarland bereitet sich auf harten Brexit vor

mit Informationen von Carolin Dylla   09.04.2019 | 18:28 Uhr

Ein harter Brexit, also ein EU-Austritt Großbritanniens ohne gültiges Abkommen, würde auch das Saarland hart treffen. Am Freitag könnte dieses Szenario tatsächlich eintreten. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) hat darum Maßnahmen vorgestellt, mit denen die Landesregierung die saarländischen Unternehmen unterstützen will.

Ein Austritt Großbritanniens ohne Abkommen: Der worst case für die saarländische Wirtschaft, der schlimmste anzunehmende Fall. Denn dann würde der zweitwichtigste Handelspartner des Saarlands über Nacht zu einem Drittstaat – mit Konsequenzen für Lieferketten und Preisen bis hin zu möglichen Engpässen bei der Zulassung von Medizinprodukten.

Video [aktueller bericht, 09.04.2019, Länge: 3:12 Min.]
Vorbereitungen für harten Brexit

Diese möglichen Folgen bereiten auch den saarländischen Unternehmen Sorgen, sagte IHK-Geschäftsführer Oliver Groll im SR-Interview: „Der Knackpunkt ist, dass der Verkehr mit einem Drittland unglaublich viel komplizierter ist." Und durch eine Verringerung der Produktion für Großbritannien infolge des Brexit könnten im Saarland 1300 bis 1500 Jobs auf dem Spiel stehen, so die saarländische Arbeitskammer.

Beratung für betroffene Firmen

Die Landesregierung will deshalb vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei unterstützen, sich auf das vorzubereiten, was eigentlich niemand abschätzen kann. Neben individueller Beratung gibt es auch Fördermaßnahmen bis maximal 7500 Euro zur Erkundung und Erschließung potenzieller Ersatzmärkte. Dazu haben der landeseigene Wirtschaftsdienstleister Saaris sowie Handelskammer und IHK spezielle Brexit-Anlaufstellen eingerichtet.

Sollte es wirklich hart auf hart kommen, wären diese Maßnahmen wohl aber kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Dessen ist sich auch die Wirtschaftsministerin bewusst – und fordert deshalb mehr Unterstützung von der Bundespolitik.

Trotz allem: Grund zur Panik sieht die Ministerin im Saarland nicht. Denn vor allem dank des stabilen Arbeitsmarktes sei die Saar-Wirtschaft insgesamt robust. Lieber als Durchhalteparolen wäre Anke Rehlinger dann aber doch ein Aufschub des Brexit – und ein neues Referendum, das den vielleicht doch noch verhindern könnte.

Über dieses Thema hat auch die "Bilanz am Abend" auf SR 2 am 09.04.2019 berichtet.

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