Bierflaschen in einer Abfüllanlage (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Brauereien fordern höheres Flaschenpfand

Lisa Huth   27.08.2019 | 13:45 Uhr

Brauereien in Deutschland haben sich für höheres Pfand auf Bierflaschen und -kästen ausgesprochen. Das Umweltbundesamt unterstützt die Idee. Laut der Bruch-Brauerei aus Saarbrücken ist das aktuelle System ein Verlustgeschäft.

Viele kleinere Brauereien müssen regelmäßig Flaschen und Kästen nachkaufen, weil die Kunden sie nicht mehr zurückbringen. Das bestätigt Thomas Bruch von der Bruch-Brauerei in Saarbrücken. Er sagte dem SR, die Wiederbeschaffungskosten für Flaschen seien höher als der Pfandwert. Das liege unter anderem an dem hohen Verlust durch kaputtgegangene Flaschen. Aber auch die Bierkästen seien in der Anschaffung teurer als das Pfand.

Bruch meinte, die Gemengelage sei sehr schwierig, und so schnell werde es keine Lösung geben. Er hält ein höheres Pfand aber für wirtschaftlich sinnvoll. Derzeit sind Bierflaschen mit acht Cent Pfand belegt. Für Bierkästen gilt eine Leihgebühr von 1,50 Euro. Der Bundesverband privater Brauereien hatte eine Pfanderhöhung um mindestens das Doppelte ins Gespräch gebracht.

Karlsberg hält sich zurück

Die Karlsberg-Brauerei in Homburg bestätigte dem SR ebenfalls, dass es derzeit eine große Diskussion gebe. Das Pfandsystem sei aber sehr kompliziert. Position wollte eine Sprecherin nicht beziehen. Karlsberg lasse den deutschen Brauerbund für sich sprechen. Dessen Vizepräsident ist Karlsberg-Chef Christian Weber.

Der Deutsche Brauer-Bund teilte dem SR mit, der Verband der Privaten Brauereien, der Bayerische Brauerbund und der Deutsche Brauer-Bund habe eine Arbeitsgruppe gegründet. Thema dort seien die derzeitigen Pfandsätze sowie der Verlust von Bierkisten und -flaschen, außerdem die derzeit bestehenden Engpässe in der Logistik. Dieser beruhe auf dem, so wörtlich "drastischen Mangel" an LKW-Fahrern. Es gebe also eine Vielzahl von komplexen Problemen und derzeit noch keine Ergebnisse.

Umweltbundesamt für mehr Pfand

Zuvor hatte das Umweltbundesamt den Vorstoß von Brauereien unterstützt, das Pfand auf Bierflaschen und -kästen zu erhöhen. Der Verpackungsexperte der Behörde, Gerhard Kotschik, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, umweltpolitisch sei ein höheres Pfand auf Flaschen und Kästen sinnvoll. Dann hätten die Kunden einen Anreiz, Flaschen und Kästen zügig zurückbringen. Das Pfand auf Mehrwegflaschen und -kästen sei seit vielen Jahren nicht erhöht worden.

Grüne fordern Mehrweg-Gipfel

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bettina Hoffmann, forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf, einen "Mehrweg-Gipfel" einzuberufen, um das Mehrwegsystem in Deutschland zu retten. "Die Forderung der Privatbrauereien ist ein Hilfeschrei, den die Bundesregierung sehr ernst nehmen muss", sagte Hoffmann den Funke-Zeitungen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.08.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen