Pyrotechnik im FCS-Fanblock beim Spiel gegen Mannheim (Foto: imago/masterpress)

Bouillon droht Fanprojekten mit dem Aus

  08.04.2019 | 21:51 Uhr

Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon hält den Dialog mit den Fußballfans für gescheitert. Fördermittel für Fanprojekte sind für ihn bislang herausgeworfenes Geld, wie Bouillon am Rande des Saarderbys zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Homburg anmerkte. Kritik an den Aussagen kommt sowohl von Gewerkschaftsseite als auch aus der Politik.

Polizeidrohne überwacht erstmals Fanströme
Audio [SR 3, (c) Markus Person, 08.04.2019, Länge: 01:33 Min.]
Polizeidrohne überwacht erstmals Fanströme

Als Grund nannte der Innenminister unter anderem Störfälle im Regionalligaspiel zwischen Mannheim und Saarbrücken vor einigen Wochen. Dort habe es offenbar geplante Angriffe auf die Polizei gegeben. Bouillon betonte, allein das Fanprojekt „Innwurf“ in Saarbrücken werde mit rund 200.000 Euro gefördert. Dieses Geld sei für ihn bisher herausgeworfen. Bouillon kündigte für die kommenden Wochen Gespräche mit den Fanbeauftragten der Vereine an.

Kritik an Bouillons Aussagen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Saarland ist verwundert über die Aussage des Innenministers, dass das Fanprojekt „Innwurf“ keinen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert besitze. „Es stößt auf Unverständnis, dass Innenminister Bouillon das Fanprojekt Innwurf nach einem vollkommen friedlich abgelaufenen Saar-Derby in Frage stellt“, so der GdP-Landesvorsitzende David Maaß. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sind sozialpädagogische Fanprojekte wichtige Puzzlestücke zur Gewaltprävention und damit zum Schutze der Einsatzkräfte bei Fußballspielen.

Video [aktueller bericht, 08.04.2019, Länge: 2:35 Min.]
Innenminister Bouillon kritisiert Fußball-Fanprojekte

Kritik kommt auch von der SPD-Landtagsfraktion. „Anscheinend hat Innenminister Bouillon kein Bild davon, was das Fanprojekt Innwurf täglich leistet. Jeder Euro ist richtig und gut investiertes Geld“, so der Fraktionsvorsitzende Stefan Pauluhn. Erst mit einem solchen Projekt könne der Kontakt in die Fanszene gelingen.

Land zahlt vorerst Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen
Audio [SR 3, (c) Markus Person, 08.04.2019, Länge: 02:36 Min.]
Land zahlt vorerst Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen

Klare Worte findet auch die Linke im saarländischen Landtag: „Innwurf ist nicht nur ganz wichtig, um den Fans eine Stimme zu geben, sondern hat in der Vergangenheit auch erheblich dazu beigetragen, dass es nicht deutlich schlimmere Auseinandersetzungen und Krawalle gegeben hat“, so Dennis Lander. Wer gewalttätige Auseinandersetzungen bei Fussball-Spielen reduzieren wolle, könne das nicht gegen, sondern nur mit den Fans erreichen.

Moderatere Kritik kommt aus Bouillons eigener Partei, der CDU. Deren Fraktionschef Alexander Funk betonte, er halte das Geld nicht für „herausgeworfen“ - forderte aber gleichzeitig genau zu prüfen, ob Ausgaben für solche Projekte tatsächlich ihren Zweck erfüllen.

Aus Sicht der AfD sind vor allem die Vereine gefragt: Die hätten Einfluss auf die Fans – und damit auf deren Verhalten im Stadion.

Drohneneinsatz ohne Vorkommnisse

Bei dem Saarderby am vergangenen Wochenende zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem FC Homburg hatte die Polizei erstmals eine Drohne eingesetzt, um die Fangruppen zu beobachten. Der Einsatz verlief ohne Vorkommnisse. Von den Fans gab es allerdings eine eindeutige Reaktion. Sie rollten gegen Spielende eine Banderole aus. Dort stand: „Die Drohne fliegt durchs Land, liefert Bilder und siehe da, die Bullen sind die Gefahr“.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR vom 08.04.2019 berichtet.

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