Das Bordell im Gewerbegebiet von Großrosseln muss wohl bald schließen. (Foto: SR)

Bordellen droht die Schließung

Barbara Spitzer / Onlinefassung: Axel Wagner   18.03.2019 | 19:09 Uhr

In der Rotlichtszene im Saarland sorgt ein neues Gesetz für Unruhe: In Saarbrücken sind sieben Bordelle von Amts wegen von der Schließung bedroht, aber auch auf dem Land droht dem Rotlichtmilieu Ungemach.

Die Vergnügungsmeile Bremerhof in Naßweiler an der französischen Grenze: Gerade einmal fünf Autominuten entfernt, im Gewerbegebiet von Großrosseln, liegt das Bordell Demi-Monde. Bei seiner Eröffnung hagelte es Proteste von Anliegern – ohne Erfolg, das Bordell durfte sein Gewerbe betreiben – nun schon seit vier Jahren offenbar eher geräuschlos.

Video [aktueller bericht, 18.03.2019, Länge: 3:15 Min.]
Bordell in Großrosseln vor Schließung

„Die Anwohner hier sagen, es sei unauffällig“, sagt Fred Schuler, der für die CDU im Gemeinderat Großrosseln sitzt. „Aber trotzdem stehen wir als Gemeinderat diesen Gewerben sehr skeptisch gegenüber, weil die Ängste in der Bevölkerung immer noch vorhanden sind.“

Regionalverband verweigert Genehmigung

Da passt es, dass nun der Halbwelt in Großrosseln voraussichtlich doch noch der Stecker gezogen wird – vom Regionalverband. Der Grund: Großrosseln hat weniger als 30.000 Einwohner, Prostitution ist damit generell verboten. „Natürlich wären wir nicht traurig, wenn dieser Betrieb nicht mehr existieren würde“, meint Schuler.

Saarlandweit stehen noch drei weitere Bordelle in Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnern vor dem Aus. Auch sie brauchen wegen eines Bundesgesetzes neuerdings eine Genehmigung vom Regionalverband, und der hat sie verweigert. In allen vier Fällen laufen Widerspruchsverfahren.

Grenzlage sorgt für regen Verkehr

Eine Hängepartie droht. Aber in Großrosseln drückt der Schuh aus Bürgersicht ohnehin vielmehr als an der Vergnügungsmeile in Naßweiler. Die Grenzlage sorgt für regen Verkehr, unter anderem, weil die Zigaretten billiger sind, und wegen der Spielotheken. Bei einer Razzia bei allen 40 Läden Ende November bestätigte sich weder der Verdacht auf illegale Prostitution noch auf Drogenhandel. Dennoch meint Gemeinderat Schuler: „Das beunruhigt die Leute allein durch dieses Personenaufkommen dort. Sie wollen gar nicht mehr durchschreiten. Das ist das, was die Leute optisch beunruhigt.“

Ein Problem, für das es auch Schulers Sicht keine Patentlösung gibt. „Eine Mauer, wie wir sie mal hatten, oder Grenzzäune wollen wir nicht. Aber ich sehe eine Möglichkeit, mit Behörden zusammen zu arbeiten, mit der Bundespolizei eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.“

So gesehen ist das drohende Aus für das Bordell im Gewerbegebiet allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Im schlimmsten Fall verlagert sich die dadurch die Prostitution vom Gewerbegebiet in die Unterwelt. Einfache Lösungen sind vor allem im Rotlichtmilieu nicht immer die besten.

Über dieses Thema berichtet auch der „aktuelle bericht“ am 18.03.2019 um 19.20 Uhr im SR Fernsehen.

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