Junges Paar kauft beim Baecker ein (Foto: imago images/blickwinkel)

Keine Brötchen ohne Kassenbeleg

Kai Forst   17.11.2019 | 08:30 Uhr

Ab Januar gilt auch für Bäckereien die sogenannte Belegausgabepflicht. Für jede Bestellung – sei sie auch noch klein – müssen die Betriebe dann einen Kassenzettel herausgeben. Die saarländische Bäckerinnung hält das neue Gesetz für "absoluten Blödsinn".

Fünf Brötchen und zwei Brezeln: So in etwa sieht die Bestellung unzähliger Kunden in deutschen Bäckereien jeden Tag aus. Mit dem frischen Backwerk geht es dann zum heimischen Frühstückstisch – bislang in den allermeisten Fällen ohne Kassenzettel. Doch das wird sich ab Januar ändern. Denn dann müssen Betriebe für jede Bestellung – auch für einzelne Brötchen – einen Kassenzettel herausgeben. Grund für den bürokratischen Akt ist die Belegausgabepflicht, die ab Januar 2020 in Kraft tritt. Das Bundesfinanzministerium will so Datenmamipulation und Steuerhinterziehung vorbeugen.

"Das ist ist ein Witz"

Der Landesinnungsmeister der saarländischen Bäcker, Hans-Jörg Kleinbauer, spart nicht mit Kritik an dieser Neuregelung. „Das ist absurd und absoluter Blödsinn. Ich sehe in dieser Regelung nicht den geringsten Nutzen." Vielmehr sei das neue Gesetz eine riesige bürokratische Herausforderung. Kleinbauer weist vor allem auf die Umweltproblematik hin. „Wir reden tagtäglich über Klima- und Umweltschutz und sollen nun Berge von Bons herausgeben. Das ist ein Witz.“

Kein Brötchen mehr ohne Beleg
Audio [SR 3, (c) SR, 17.11.2019, Länge: 00:42 Min.]
Kein Brötchen mehr ohne Beleg

Zahlreiche Bäckerbetriebe im Saarland beteiligten sich zudem seit einigen Jahren an der sogenannten Becherheld-Kampagne, um die Flut von Wegwerfbechern zu reduzieren. „Und nun sollen wir für jedes einzelne Brötchen einen Bon aus beschichtetem Thermopapier ausdrucken“, beschwert sich der Innungsmeister. Im Saarland sind von Bonpflicht rund 200 Bäckerbetriebe mit zum Teil mehreren Verkaufsstellen betroffen.

"Fünf Milliarden Bons"

Deutschlandweit müssen ab Januar 11.000 Betriebe mit 46.000 festen und 15.000 mobilen Verkaufsstellen Belege herausgeben. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks prognostiziert bereits riesige Müllberge. „Bei durchschnittlich 100.000 Kunden je Verkaufsfiliale ergeben sich über fünf Milliarden Bons aus Papier pro Jahr. Das entspricht nur für das Bäckerhandwerk dem 25-fachen Erdumfang oder der zweieinhalbfachen Wegstrecke Erde-Mond. Dies gilt bei vorsichtiger Schätzung und der Annahme, dass ein Durchschnittsbon rund 20 Zentimeter lang ist“, sagte Verbands-Geschäftsführer Daniel Schneider.

Betriebe können sich befreien lassen

Ein Hoffnungsschimmer auf weniger Papiermüll ist ein Absatz im §146 der Abgabenordnung des Bundesfinanzministeriums. Darin heißt es: Der Beleg kann elektronisch oder in Papierform zur Verfügung gestellt werden. Außerdem heißt es im Gesetz: Betriebe, die Waren gegen Barzahlung an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen verkaufen, können sich von der Belegausgabepflicht befreien lassen.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten am 17.11.2019 berichtet.

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