Ein Stift liegt auf einem Abwassergebührenbescheid. (Foto: dpa-Bildfunk/Franziska Kaufmann)

Über 50 Haushalte seit Jahren ohne Abwassergebühr

Caroline Uhl / Niklas Resch   19.11.2019 | 13:00 Uhr

Die Wasserwerke in Blieskastel haben in den vergangenen Jahren bei der Abrechnung geschlampt. Der Abwasserbetrieb hatte über Jahre hinweg von über 50 Haushalten keine Gebühr verlangt, wie die Stadt dem SR bestätigte. Für den Eigentümerverband "Haus und Grund" ist das ein einmaliger Vorgang.

Betroffen sind nach Angaben der Stadtverwaltung 54 Haushalte im Raum Blieskastel. Ihnen wurde auf der Wasserrechnung zwar jedes Jahr Frischwasser und Niederschlagsgebühr berechnet – die Abwassergebühr aber fehlte. Bei einer internen Untersuchung der Wasserwerke fiel der Fehler nun auf.

Video [aktueller bericht, 19.11.2019, Länge: 3:06 Min.]
Nachzahlungen der Abwassergebühr in Blieskastel

Wie er zustande kam, ist unklar. Der neue Blieskasteler Bürgermeister Bernd Hertzler (SPD) mit einem Erklärungsversuch: "Häuser werden verkauft, es wurden neue Namen angelegt, dann wurde vielleicht irgendwo ein Häkchen nicht gemacht im Abrechnungssystem in der Software und schon ist das passiert." Oder Häuser hätten erst nachträglich einen Kanalanschluss erhalten und das sei im Abrechnungssystem nicht richtig vermerkt worden, führt Hertzler weiter aus.

Aufarbeitung mit Lücken

Blieskastler Wasserwerk: Über Jahre keine Abwassergebühr abgerechnet
Audio [SR 3, Caroline Uhl, 19.11.2019, Länge: 03:11 Min.]
Blieskastler Wasserwerk: Über Jahre keine Abwassergebühr abgerechnet

Eine voll umfängliche Aufarbeitung gibt es bisher nicht. Für die Jahre seit 2015 können die Abwasserwerke nachträglich Gebühren von den betroffenen Haushalten verlangen, insgesamt sind das laut Stadt rund 50.000 Euro. Weil Geld aus weiter zurückliegenden Jahren wegen Verjährung nicht nachgefordert werden kann, verzichtet die Stadt gleich ganz darauf, diese Jahre zu prüfen. Offen bleibt deshalb, wie lange der Fehler bestand, wie er genau zustande kam und wie viel Geld den Abwasserwerken insgesamt durch die Lappen ging.

Die Stadtverwaltung bezeichnet den Vorfall als einen kleinen Fehler. Den 54 fehlerhaften Rechnungen stünden immerhin über 9000 korrekte gegenüber. Dennoch soll so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommen, betont Bürgermeister Hertzler: "Ich denke, man wird jetzt genauer hinschauen bei irgendwelchen Gebührenbescheiden und wird das besser kontrollieren, wenn was rausgeht."

"So etwas noch nicht gehört"

Mit Erstaunen reagierte der Eigentümerverband „Haus und Grund“ auf die Vorgänge. "So etwas hab ich noch nicht gehört, dass größere Mengen von Eigentümern keine Gebühren zu zahlen brauchten, dass keine Gebühren angefordert wurden", sagt der saarländische Landesvorsitzende. Er rät Betroffenen, sich an die Stadt zu wenden, um eine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Die betroffenen Haushalte wurden von den Abwasserwerken mittlerweile in einem sogenannten "Anhörungsschreiben" informiert. Vermutlich noch vor Weihnachten könnten auch alle ihre Nachforderung erhalten: Es geht dabei im Schnitt um knapp 1000 Euro.

Über dieses Thema berichtete auch die SR3-Rundschau am 19.11.2019.

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