Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (Foto: dpa/Harald Tittel)

Vatikan stoppt Bistumsreform vorläufig

  22.11.2019 | 07:30 Uhr

Die Strukturreform im Bistum Trier könnte kurz vor ihrer Umsetzung doch noch scheitern. Wie das Bistum dem SR bestätigte, hat der Vatikan das Gesetz zur Synode ausgesetzt. Die Strukturreform sieht vor, die Zahl der knapp 900 Pfarreien auf 35 Großpfarreien zu reduzieren.

Eigentlich schien alles klar und vorbereitet: Erst vor wenigen Tagen hatte der Trierer Bischof Stephan Ackermann Dekrete zur Errichtung der ersten 15 Großpfarreien erlassen. Die zuständigen Pfarrer sind bereits seit Mitte September bekannt. Doch nun ist die Strukturreform ins Stocken geraten. Wie der Trierische Volksfreund berichtet, hat der Vatikan das Gesetz zur Synode ausgesetzt. Das Bistum bestätigte das inzwischen dem SR.

Vatikan prüft Trierer Gesetz

Kollegengespräch: "Der Ärger im Bistum ist mit Sicherheit groß"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Nadine Thielen / Oliver Buchholz, 22.11.2019, Länge: 04:23 Min.]
Kollegengespräch: "Der Ärger im Bistum ist mit Sicherheit groß"

Man wolle ausführlich prüfen, ob das Trierer Gesetz mit dem Kirchenrecht vereinbar ist. Die geplante Umstrukturierung des Bistums habe immerhin erhebliche Konsequenzen für das kirchliche Leben und man wolle „keinen Schaden am Heil der Seelen“, heißt es in dem Schreiben aus dem Vatikan wörtlich. Daher sei das Gesetz zur Überprüfung ausgesetzt worden. Ob die Strukturreform wie geplant am 1. Januar umgesetzt werden kann, ist damit äußerst unsicher. An diesem Tag sollten die ersten 15 Großpfarreien offiziell an den Start gehen, die 20 weiteren sollten 2021 folgen.

Gegen die Strukturreform hatten unter anderem die bistumskritische Initiative Kirchengemeinde vor Ort Klage in Rom eingereicht. Initiativen-Sprecher Harald Cronauer sagte der Zeitung, man hoffe nun auf eine Lösung, die alle Christen im Bistum mittragen könnten. Dass die Reform wie geplant im Januar in Kraften treten könne, sei ausgeschlossen.

Wie lange die Strukturreform nun tatsächlich ausgesetzt wird, ist unklar. Die römische Entscheidung bedeute aber keinen endgültigen Stopp, teilte das Bistum dem SR mit. Das Trierer Generalvikariat werde nun Konsequenzen prüfen und Übergangsstrukturen für die ungeregelte Zeit ab dem 1. Januar 2020 schaffen.

"Sonst wird das kirchliche Leben vernichtet"

Die Strukturreform gilt unter vielen Katholiken als äußerst umstritten. Bereits zu Beginn des Jahres war deutlich geworden, dass der Widerstand wächst. So hatten sich bereits im Januar 288 Kirchengemeinden - also fast ein Drittel aller Gemeinden im Bistum Trier - den Beschlüssen der Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" angeschlossen. Man wehre sich nicht gegen die Beschlüsse der Synode, sondern gegen die Auflösung der Gemeinden und Pfarreien, sagte Cronauer damals. Er forderte, dass die Verantwortung der Gremien und Vermögen vor Ort blieben. Sonst würde das kirchliche Leben vor Ort mitsamt Ehrenamt "vernichtet".

Reaktionen auf Stopp der Bistumsreform
Hans hofft auf schnelle Prüfung in Rom

Ein Thema in den SR-Hörfunknachrichten am 21.11.2019.

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