Bischof Stephan Ackermann diskutiert ruhig gestikulierend (Foto: picture alliance/dpa | Harald Tittel)

Bischof Ackermann gibt Amt des Missbrauchsbeauftragen ab

  12.05.2022 | 16:54 Uhr

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im kirchlichen Umfeld soll neu strukturiert werden. Im Rahmen der Umstrukturierung wird der Trierer Bischof Stephan Ackermann auch das Amt des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz im Herbst abgeben.

Zur Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda will der Trier Bischof Stephan Ackermann das Amt des Missbrauchsbeauftragen der Bischofskonferenz abgeben. Das teilte er nach Angaben der Bischofskonferenz am Donnerstag in einem Brief mit.

Gremium aus Fachleuten statt eines einzelnen Beauftragten

Die Entscheidung kommt nicht überraschend: Schon im vergangenen Jahr hatte Ackermann angeregt, die Verantwortungsstruktur auf eine breitere Basis zu stellen. Dieser Schritt soll nun vollzogen werden. "Die Thematik lässt uns nicht los, im Gegenteil: Mit steigender Achtsamkeit nicht nur auf Formen sexualisierter Gewalt weiten sich die Fragestellungen aus und erfordern entsprechende Antworten", so Ackermann.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa hatte Ackermann Ende vergangenen Jahres gesagt, dass ihm ein Gremium aus mehreren Fachleuten vorschwebe. Er selbst wolle weiter mitarbeiten, aber nicht den Vorsitz in einem solchen Gremium haben, sagte er damals.

Zuletzt massive Kritik an Ackermann

Zuletzt stand der Trierer Bischof massiv in der Kritik, weil er den Klarnamen einer unter Pseudonym bekannten Betroffenen sexueller Übergriffe vor etwa 40 Mitarbeitenden des Bistums offen gelegt hatte. Er unterschrieb danach eine Unterlassungserklärung und bat die Frau um Entschuldigung.

Betroffeneninitiativen und der Betroffenenbeirat der DBK hatten Ackermanns Verhalten kritisiert und ihm einen Rücktritt nahegelegt.

Opferinitiative begrüßt Rücktritt

Vor diesem Hintergrund begrüßt der Verein "Missbrauchsopfer und Betroffene im Bistum Trier" (Missbit) Ackermanns Ankündigung. Dieser Schritt sei längst überfällig, sagte Missbit-Sprecher Hermann Schell im SR-Interview.

Allerdings schränkt er ein, dass Ackermann im Bistum Trier weiterhin der Ansprechpartner für die Initiative bleibe. "Wir müssen mit derselben Person die Dinge behandeln, die wir schon seit Jahren behandeln. Das ist für uns keine Aussicht, auf der Basis weiterzuarbeiten", sagte Schell im SR-Interview.

Missbit: Auch Frauen in neues Gremium einbinden

Von der neuen Struktur erhofft sich Schell vor allem, dass sie glaubwürdig ist und auch zu bundeseinheitlichen Vorgehensweisen kommt. Zudem hofft er darauf, dass neben Bischöfen auch Frauen stärker eingebunden werden. "Wenn man das in einer Art Gremium machen will, dann müssen verantwortliche Bischöfe hinein, die das Thema ernst nehmen. Vor allem müssten aber auch Frauen in dem Gremium vertreten sein", so Schell. Denn eine Vielzahl der von Missbrauch Betroffenen sei weiblich.

Seit 2010 Missbrauchsbeauftragter

Ackermann ist seit 2009 Bischof von Trier und übernahm 2010 das damals neu geschaffene Amt des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Funktion war er federführend mit der Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche befasst.

Gemeinsam mit dem damaligen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erarbeitete er für die Deutsche Bischofskonferenz eine 2020 verabschiedete Erklärung mit Kriterien zur strukturellen Aufarbeitung von Missbrauch in allen deutschen Diözesen.

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