Barhocker sind auf eine Theke hochgestellt (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Bis zu 400 Restaurants könnten die Krise nicht überleben

Yvonne Schleinhege   12.09.2021 | 16:13 Uhr

Etwa 400 Restaurants, Gaststätten und Hotels im Saarland könnten die Corona-Krise nicht überleben, schätzt der Branchenverband DEHOGA Saarland. Von der Imbissbude bis hin zum Stadtrestaurant wäre alles dabei. Vor allem um die oft letzten verbliebenen Dorfgaststätten sorgt sich die Branche.

Der Schwemlinger Hof in Merzig-Schwemlingen ist ein kleines, einfaches Dorfhotel mit Restaurant. Bei den einschlägigen Buchungsportalen im Internet findet man noch Bewertungen aus dem vergangenen Sommer.

Gelobt wir das Hotel für das tolle Frühstück, gutes Essen und den freundlichen Service: „Einfach und gut“ heißt es in vielen Bewertungen. Wenn man jetzt im Internet sucht, findet man nur den Hinweis „Dauerhaft geschlossen“. Und wer dort anruft hört, die Nummer sei nicht verfügbar.

Corona als „Brandbeschleuniger“

Das Hotel samt Gaststätte ist geschlossen. Es soll verpachtet oder verkauft werden, berichtet der Ortsvorsteher von Schwemlingen Claus Linz, denn genaueres weiß auch er nicht.

Ende vergangenen Jahres wurde das Hotel wohl verkauft und von dem neuen Besitzer wisse er nichts, sagt Links. Die Vorbesitzer hätten es aus Altersgründen aufgegeben, berichtet der Ortsvorsteher.

Die Corona-Pandemie war in diesem Fall nicht der Hauptgrund, vielleicht aber doch ein Beweggrund, in dieser ungewissen Zeit lieber das Geschäft anderen zu überlassen.

Das Schicksal des Schwemlinger Hofs kann ein Beispiel sein für das, was Michael Buchna, Präsident des DEHOGA im Saarland, durchaus in den vergangenen Monaten beobachtet hat: „Wenn ich hier durch das nördliche Saarland fahre, gibt es in fast jedem Ort ein Restaurant, eine Gaststätte oder eine Kneipe, die die Pandemie nicht überlebt hat“, sagt der Inhaber des Landhotels Saarschleife in Orscholz. Die Monate des Lockdowns seien da wie ein „Brandbeschleuniger“ gewesen.

Investitionen für den Neustart

Was ihm aufgefallen ist: Gerade kleine und ländliche Gaststätten, wo der Inhaber noch selbst hinter der Theke steht, hätten aufgegeben. Auch weil es für die Besitzer mit einem entsprechenden Alter gerade passte und man so die Schließung einfach um ein paar Monate oder Jahre vorgezogen hat, oder weil man hätte investieren müssen.

„Frische Bierfässer, neue Getränke und dann all die Dinge, um die neuen Hygienebestimmungen einhalten zu könne, da kommen dann schon ein paar Tausend Euro zusammen, und das kann nicht jeder einfach mal so stemmen und investieren“, sagt DEHOGA-Präsident Buchna.

Den Trend des Gaststättensterbens auf dem Land hat die Corona-Pandemie wohl beschleunigt. Die kleine Kneipe an der Ecke mit ein paar Plätzen am Tresen hatte es angesichts von Abstandsregelungen wahrscheinlich besonders schwer. 

400 Betriebe auf der Kippe

In konkreten Zahlen lässt sich dieses Eindruck nur schwer darstellen. Etwa 3200 Gaststätten, Restaurants und Hotels gibt es schätzungsweise im Saarland – von der kleinen Imbissbude bis zum Sterne-Restaurant.

Etwa 400 Betriebe könnten diese Krise nicht überlebt haben oder überleben, schätzt Frank Hohrath vom Branchenverband DEHOGA. Da seien natürlich Dorfkneipen, Imbissbuden, kleine Hotels oder auch Stadtrestaurants dabei. Ein ganz klarer Schwerpunkt sei noch nicht zu erkennen.

Wie viele Kneipen, Restaurants und Hotels tatsächlich am Ende schließen müssen, würden auch die kommenden Monate entscheiden. Einen erneuten Lockdown könnte die Branche nicht verkraften, da sind sich alle in der Branche einig.

„Ich gehe davon aus, dass die Insolvenzen und Betriebsschließungen dann nochmal verstärkt kommen werden, wenn die Hilfen wegfallen“, sagt Hohrath. Zuletzt seien zudem bei vielen Gastronomen die Kredite ausgesetzt worden oder es gab Kredite aus dem staatlichen Corona-Programm. Fraglich sei auch wie es mit den Rückzahlungen von Hilfen aussieht, heißt es beim DEHOGA Saarland.

Mitarbeiter dringend gesucht

Neben der offenen Frage, wie es im Herbst und Winter in Sachen Coronamaßnahmen aussieht, sorgt sich die Branche vor allem um die Mitarbeitenden. Schon jetzt hätten die allermeisten Betriebe ihre Öffnungszeiten einschränken müssen, weil Mitarbeiter fehlen.

So geht es auch Michael Schley vom Wirtshaus „Zur Wilden Ente“ in Saarbrücken-Güdingen. „Wir verlieren jetzt wieder Leute, die in andere Branchen gehen, weil sie Angst haben, dass wir im Winter wieder schließen müssen“, berichtet der Gastronom.

Er müsse daher wahrscheinlich noch einen Ruhetag einführen. Neues Personal zu bekommen sei natürlich auf dem Land noch etwas schwieriger als in der Stadt, berichtet der Branchenverband. Auch das ist kein gutes Vorzeichen für die dörfliche Gastronomie.

Die letzte im Dorf

Zurück nach Merzig-Schwemlingen: Ob und wann das Hotel und/oder die Gaststätte wieder aufmachen wird, wisse aktuell niemand so recht, berichtet der Ortsvorsteher Claus Linz. Er hoffe, dass sich ein Nachfolger findet.

Denn wenn der Schwemlinger Hof dauerhaft geschlossen bliebe, ist das Bitter für den Ort. Schließlich war das Restaurant im Hotel auch die letzte Gaststätte im Ort – alle anderen mussten schon lange vor Corona schließen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.09.2021 berichtet.

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