Eine Schülerin der Grundschule meldet sich im Unterricht (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Bildungsministerium sieht keinen akuten Lehrermangel

Christian Leistenschneider   30.08.2022 | 11:42 Uhr

Zum neuen Schuljahr gibt es im Saarland gut zwei Prozent mehr Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen als im Vorjahr. Vor allem an Grund- und Gemeinschaftsschulen ist die Schülerzahl gestiegen, bei den Berufsschulen gab es allerdings einen Einbruch. Die nötigen Lehrerstellen konnten noch besetzt werden.

Knapp 92.700 Schülerinnen und Schüler starten im Saarland an allgemeinbildenden Schulen ins Schuljahr 2022/23. Das sind rund 2000 mehr als im Jahr davor. Der Anstieg gehe auf gestiegene Geburtenzahlen, aber auch auf Zuwanderung zurück, vor allem aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine, sagte die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Weniger Gymnasiasten

Den stärksten Anstieg verzeichneten die Grund- und die Gemeinschaftsschulen. Insgesamt gehen 1153 Grundschüler mehr ins neue Schuljahr. Die Zahl der Einschulungen wuchs um 385 auf 8946. An den Gesamtschulen gibt es insgesamt rund 700 Schüler mehr als im Vorjahr.

Video [aktueller bericht, 30.08.2022, Länge: 3:06 Min.]
SLLV-Vorsitzende Brausch: „Es gibt Lehrkräftemangel“

Die Zahl der Gymnasiasten ist insgesamt um 179 auf 24.561 gesunken, die Zahl der neuen Fünftklässler hingegen um 60 auf 3435 gestiegen.

Ein deutliches Minus verzeichneten die öffentlichen beruflichen Schulen. Ihre Schülerzahl sank um 1767 auf 25.600. An Förderschulen gab es ein Plus von 123 auf 3784.

Steigender Bedarf bei Lehrern

Steigende Schülerzahlen machen auch mehr Lehrkräfte nötig, betonte Streichert-Clivot. Auch die Umstellung von G8 auf G9 und die Einführung des Fachs Informatik steigerten den Bedarf. Ein entsprechender Stellenzuwachs sei bei der Haushaltsklausur der Landesregierung auch beschlossen worden, sagte Streichert-Clivot: 146 unbefristete Vollzeitstellen für Lehrer und zusätzlich 121 Sprachförderlehrkräfte. Diese Planstellen greifen aber frühestens zum Einstellungstermin am 1. Februar 2023.

Im vergangenen Schuljahr gab es nach Angaben eines Ministeriumssprechers 9400 Lehrkräfte im Saarland, zum neuen Schuljahr sind es rund 100 mehr. Hinzu kämen 180 Sprachförderlehrkräfte, die bislang nicht in Trägerschaft des Landes waren.

Bislang habe die Landesregierung den Personalbedarf decken können, sagte die Bildungsministerin. Streichert-Clivot wies aber darauf hin, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt bei Lehrern bundesweit zunehmend angespannt werde.

Vor allem bei Informatik, Naturwissenschaften und künstlerischen Fächern gebe es Probleme. Darum müsse mehr für die Anwerbung von Kandidaten außerhalb des Saarlandes und Deutschlands sowie von Quereinsteigern getan werden.

Unsichere Lage wegen Corona

Personelle Probleme könnten aber bereits im Herbst entstehen, wenn es durch Corona eine große Zahl von Ausfällen gibt. Davor hatte auch die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Lisa Brausch, im SR-Interview gewarnt.

Kein akuter Lehrermangel laut Streichert-Clivot
Audio [SR 3, Janek Böffel, 30.08.2022, Länge: 03:05 Min.]
Kein akuter Lehrermangel laut Streichert-Clivot

Zum Schulstart gibt es entsprechend dem Bundesinfektionsschutzgesetz, das am 23. September ausläuft, weder Masken- noch Testpflicht. Welche Maßnahmen an den Schulen im Herbst, nach Inkrafttreten eines neuen Infektionsschutzgesetzes, getroffen werden, sei noch nicht entschieden, da selbst Experten unsicher seien, wie sich die Lage im Herbst entwickele, sagte Streichert-Clivot.

Falls es an Schulen wieder Maßnahmen geben soll, müssten diese gesamtgesellschaftlich eingepasst sein, sagte die Bildungsministerin. Man müsse genau prüfen, was man jungen Menschen aufbürde.


Bildungsministerin stellt klar
Keine Masken- und Testpflicht zum Schulstart im Saarland
Das neue Schuljahr im Saarland beginnt ohne Corona-Maßnahmen. Auch wenn die Infektionszahlen steigen sollten, dürfe es zumindest keine Schulschließungen geben, kündigte Bildungsministerin Streichert-Clivot am Dienstag an.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 30.08.2022 berichtet.

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