Eine Ärztin im Beratungsgespräch mit einer Patientin vor einer Impfung (Foto: IMAGO / Wilhelm Mierendorf)

Ärzte sehen Erfolg bei Impfkampagne nach "viel, viel Aufwand"

Thomas Braun   06.04.2022 | 11:22 Uhr

Heute vor einem Jahr sind die Covid-Schutzimpfungen in den Arztpraxen gestartet. Der Hausärzte-Verband hat eine gemischte Bilanz gezogen. Vor allem eine größere Baustelle - auch mit Blick auf die Zukunft - ist nach wie vor nicht behoben.

Am 6. April ist der Startschuss für die größte Impfkampagne der jüngeren Vergangenheit im Saarland gefallen. An diesem Tag haben auch die niedergelassenen Ärzte mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen.

1,1 Millionen Impfungen in Arztpraxen

Seither wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung mehr als 1,1 Millionen Impfungen in den saarländischen Arztpraxen durchgeführt - und damit rund die Hälfte aller im Saarland verabreichten Covid-Schutzimpfungen. Insbesondere zum Start der Booster-Kampagne, als die Impfzentren zum Teil schon wieder zurückgebaut waren, übernahmen die Arztpraxen einen Löwenanteil der Impfungen.

"Wir haben in der Spitze mit über 1000 Kolleginnen und Kollegen im Saarland geimpft. Das war schon ein großer Erfolg", resümiert der Vorsitzende des Saarländischen Hausärzteverbandes, Dr. Michael Kulas.

Kulas: "Insgesamt ein großer Erfolg"
Audio [SR 3, Nadine Thielen, 06.04.2022, Länge: 04:05 Min.]
Kulas: "Insgesamt ein großer Erfolg"

Knapper Impfstoff größte Herausforderung

Gleichzeitig schränkt Kulas aber ein: "Der Erfolg hat aber immer davon abgehangen, dass wir genug Impfstoff hatten." Und damit spricht er auch das größte Problem an, dass die Impfkampagne über lange Phasen begleitet hat. Als etwa zeitweilig die Zahl der verfügbaren Dosen wöchentlich begrenzt wurde, seien die Telefone heiß gelaufen.

Schwierig sei es insbesondere dann geworden, wenn auch die Impfzentren voll ausgelastet waren und es bei der Impfstoffverteilung quasi zu einer Konkurrenzsituation zwischen den Zentren und den Arztpraxen gekommen sei, sagt Kulas.

Enorme Kraftanstrengung und "viel, viel Aufwand"

Umgekehrt hat er aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Ansprache der Patienten in den Arztpraxen gut funktionierte - beispielsweise als Ende November zu wenig Biontech-Impfstoff verfügbar war und stattdessen auf Moderna zurückgegriffen werden musste. "Die Patienten haben ihren Hausärzten mehr vertraut als den anonymen Impfzentren", ist Kulas überzeugt.

Es sei insgesamt eine enorme Kraftanstrengung und "viel, viel Aufwand" gewesen, die Impfkampagne dauerhaft am Laufen zu halten. "Wir haben viel in der Selbstorganisation gemacht", sagt Kulas und spricht dabei etwa die Impfstoffbörse an, die die Ärzte aufgebaut haben, um untereinander verfügbare Dosen und Restbestände auszutauschen.

Außerdem hebt Kulas den Einsatz und das Engagement des Praxispersonals hervor, das in dieser Zeit oftmals weit über seine Grenzen gegangen sei.

Aktuell hoher Personalausfall durch Omikronwelle

Das sei auch in der aktuellen Phase noch einmal so - hier allerdings nicht bedingt durch die Impfkampagne, sondern durch den hohen Personalausfall wegen der Omikronwelle. "Unsere Praxis musste eine Woche schließen, weil sich gleichzeitig das gesamte Team - wohl an einem Superspreader - angesteckt hatte", berichtet Kulas.

Und so sei es vielen Kolleginnen und Kollegen gegangen. "Es hat letztlich alle irgendwann erwischt." Und für die Praxen, die dann die Arbeit der ausgefallenen Kollegen mitübernommen haben, sei das natürlich eine große Belastung gewesen.

"Wir sind froh, dass es jetzt etwas weniger wird", sagt Kulas. "Aber wir sind noch nicht in dem Bereich, die Ausfälle problemlos kompensieren zu können."

Kleinere Verpackungseinheiten für Einzelimpfungen nötig

Die Impfkampagne läuft unterdessen weiter - auch wenn die Nachfrage nur noch sehr gering ist. Das stellt die Ärzte wiederum vor andere, auch schon länger bekannte Herausforderungen. "Die Verpackungsgröße ist immer noch ein Problem", sagt Kulas. "Es gibt nach wie vor keine Einzelimpfungen."

Trotz der geringen Nachfrage bietet Kulas selbst in seiner Praxis zum Beispiel immer noch zwei Impfsprechstunden an, um überhaupt genug Patienten zusammenzubekommen, um eine Ampulle Impfstoff auch komplett zu verbrauchen. Hier müssten die Impfstoffhersteller aus seiner Sicht endlich nachbessern.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Mittag" am 06.04.2022 berichtet.

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