Der Stecker einer Mehrfachsteckleiste liegt auf Euro-Geldscheinen und Münzen (Foto: dpa/Jens Büttner)

Billig-Energieanbieter BEV pleite - Grundversorger übernehmen

Thomas Braun   04.02.2019 | 16:01 Uhr

Von der Pleite der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV) sind auch zahlreiche saarländische Haushalte betroffen. Sie brauchen zwar keine Angst zu haben, dass plötzlich Strom und Gas abgeschaltet werden. Allerdings könnten viele Kunden auf ihren Forderungen sitzenbleiben.

Ende Januar hat der Billiganbieter BEV aus München Insolvenz angemeldet und die Strom- und Erdgaslieferung eingestellt. Die Versorgung wird nun automatisch von den örtlichen Grundversorgern übernommen. Darauf hat das Unternehmen Energie SaarLorLux hingewiesen. Alleine in Saarbrücken seien mehr als 100 Haushalte betroffen. "Noch liegen die endgültigen Zahlen nicht vor. Wir rechnen aber mit einer niedrigen dreistelligen Zahl an Kunden, die vorerst wieder von uns versorgt werden", sagte eine Sprecherin auf SR-Anfrage. Bei Energis, das vor allem in den kleineren Gemeinden im nördlichen und westlichen Saarland die Grundversorgung übernimmt, geht man von 500 bis 800 betroffenen Strom- und Gaskunden aus.

Viele Fallstricke beim Preisvergleich

Die Kunden fallen zunächst in den Grundversorgungstarif, der oft teurer ist als andere Tarife. Hier lohnt sich also ein erneuter Preisvergleich. Die Verbraucherzentrale warnt allerdings davor, bei Vergleichsportalen nur auf den günstigsten Anbieter zu schauen: "Der Fall BEV zeigt erneut, dass es für Verbraucher eine Zumutung ist, zu erkennen, welchem Energieversorger sie trauen können", sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller.

Die Verbraucherzentrale hat mehrere Ratgeber zu dem Thema zusammengestellt. Sie empfiehlt zum Beispiel, gleich mehrere Vergleichsportale zu nutzen und sich neben dem Preis auch die jeweiligen Vertragsbedingungen genau anzuschauen. Empfehlenswert seien zum Beispiel kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen. Außerdem sollten Verbraucher beachten, dass Anbieter oft mit niedrigen Anfangspreisen werben oder Kunden durch Bonuszahlungen locken wollen, später dann aber kräftig an der Preisschraube drehen - ein Geschäftsmodell, mit dem laut Medienberichten insbesondere die BEV viele Kunden gewonnen hatte. "Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten", so vzbv-Vorstand Müller.

BEV-Guthaben werden vorerst nicht erstattet

Verbraucher, die noch Ansprüche aus nicht gezahlten Boni oder Guthaben gegenüber der BEV haben, können die vorerst nicht geltend machen. Erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen nach Angaben des Unternehmens zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Im Insolvenzverfahren werden allerdings alle Gläubiger - also Geldgeber, Kunden oder auch Mitarbeiter - gleich behandelt.

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