Eine junge Frau schaut sich Aushänge mit freien Ausbildungsplätzen an. (Foto: picture alliance / dpa | Christoph Schmidt)

Viele Jugendliche sorgen sich um Ausbildungsplatz

Thomas Braun   04.05.2022 | 06:34 Uhr

Trotz Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in vielen Branchen gibt es aus Sicht von fast jedem zweitem Jugendlichen im Saarland zu wenige Ausbildungsplätze. Durch die Corona-Pandemie sei die Suche nach einem passenden Platz viel schwieriger geworden. Eine große Mehrheit wünscht sich mehr direkte Ansprechpartner statt digitaler Angebote bei der Beratung.

"Es gibt eher zu wenige Arbeitsplätze": Das finden 43 Prozent der Jugendlichen im Saarland, wie aus einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann-Stiftung in allen Bundesländern hervorgeht. Damit ist die Einschätzung der saarländischen Jugendlichen noch einmal pessimistischer als im Bundesschnitt: Hier finden 37 Prozent der Befragten, dass es zu wenige Ausbildungsplätze gibt.

Viele Betriebe finden keine Azubis mehr

Diese Einschätzung der Jugendlichen passt so gar nicht zu dem Bild, dass die Betriebe zeichnen. Vergangenes Jahr zum Beispiel hatte die Industrie- und Handelskammer die Frist für den Ausbildungsbeginn verlängert, weil es noch so viele unbesetzte Lehrstellen gab. Nicht selten ging bei den Unternehmen keine einzige Bewerbung ein.

Ein Grund war sicherlich die Corona-Pandemie - das sehen auch die Jugendlichen so: Fast zwei Drittel finden, dass durch die Pandemie die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz erschwert wurde.

6000 Ausbildungsplätze, 3500 Bewerber

Doch auch in diesem Jahr deutet sich an, dass viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben: Wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, wurden im Saarland für das neue Ausbildungsjahr 6000 Plätze gemeldet - 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Dem gegenüber stehen derzeit rund 3500 Jugendliche, die sich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz an die Bundesagentur gewandt haben.

Wie es zu diesem Missverhältnis kommt - der pessimistischen Einschätzung der Jugendlichen trotz eines offensichtlichen Überangebots an Ausbildungsstellen -, lässt sich aus der Studie nicht schließen. Klar scheint aber, dass die persönliche Beratung, die gerade in der Corona-Pandemie deutlich zurückgefahren werden musste, eine große Rolle spielt.

Drei Viertel wünschen sich direkten Ansprechpartner in der Schule

Fast drei Viertel der bundesweit befragten Jugendlichen, die derzeit auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, wünschen sich einen Ansprechpartner in der Schule. Einen Ansprechpartner, an den sie sich jederzeit wenden können. Mehr digitale Beratungsangebote sind hingegen kaum gefragt.

Für die Studie der Bertelsmann-Stiftung wurden zwischen Ende Januar und Anfang März bundesweit knapp 1700 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren befragt. 103 Interviews davon wurden mit Jugendlichen aus dem Saarland geführt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.05.2022 berichtet.

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