Erzieherin sitzt in einer Kita mit Kindern im Kreis und macht Spiele. (Foto: Imago/Imagebroker/Jan Tepass)

Tausende zusätzliche Erzieher im Saarland gebraucht

  24.08.2021 | 12:54 Uhr

Im Saarland werden in den kommenden Jahren laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Tausende zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas gebraucht. Bei den aktuellen Ausbildungskapazitäten würden bis zum Jahr 2030 rund 3000 Personen diesen Beruf ergreifen. Um eine kindgerechte Betreuung zu gewährleisten, würden aber laut der Studie weitere 5000 Fachkräfte benötigt.

Die Fachkräfte-Lücke in den Kitas lasse sich weder mit einem Ausbau der Ausbildungskapazitäten noch mit pädagogisch nachqualifizierten Quereinsteigern aus anderen Berufen im Saarland schließen, heißt es in dem erstmals erhobenen "Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule", der zusammen mit dem "Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme" von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde.

Sie geht in ihren Berechnungen von der wissenschaftlichen Empfehlung für den Personalschlüssel von drei Kindern je Fachkraft in einer Krippengruppe (für die unter Dreijährigen) und von 7,5 in Kindergartengruppen aus, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Zuletzt (Stichtag 1. März 2020) betreute rein rechnerisch im Saarland eine Vollzeit-Erzieherin im Schnitt 3,7 Unter-Dreijährige in Krippen, in den Kindergärten waren es pro Fachkraft 9,8 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren.

Video [aktueller bericht, 24.08.2021, Länge: 2:57 Min.]
Saarland braucht mehr Erzieher

Gruppengröße als wichtiger Indikator

Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass für derzeit etwa vier von fünf Kindern in Kita-Gruppen im Saarland nicht genügend Fachpersonal vorhanden ist. In den Krippengruppen habe sich der Personalschlüssel von 3,7 zwischen 2013 und 2020 nicht verändert. In den Kindergärten habe es im selben Zeitraum nur eine leichte Verbesserung von 10,1 auf 9,8 Kinder pro Erzieher gegeben. Die Gruppengröße sei laut Studie aber ein wichtiger Gradmesser für die Qualität in Kindertagesstätten.

"Bei den Kitas liegt der Personalschlüssel da, wo er auch schon die letzten Jahre lag"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadegi/Lisa Krauser, 24.08.2021, Länge: 03:02 Min.]
"Bei den Kitas liegt der Personalschlüssel da, wo er auch schon die letzten Jahre lag"

Aus dem Ministerium der saarländischen Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) heißt es, dass die Bertelsmann-Studie dem Saarland eine "vergleichsweise gute Personalsituation" an den Kitas bescheinige, aber auch den Entwicklungsbedarf deutlich mache.

Das Saarland habe in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um das Platzangebot in Kitas weiter auszubauen. Insgesamt stehen laut Ministerium mittlerweile rund 6600  Krippenplätze (2012: rund 4000) und 28.102  Kindergartenplätze (2012: 27.605) zur Verfügung. Auch die Plätze für die Erzieherausbildung seien stark erhöht worden.

GEW Saarland fordert Kraftanstrengung

Durch den Kita-Ausbau habe sich die Zahl der Plätze zwar erhöht, doch noch immer könne im Saarland nicht jedem Kind eine Betreuung angeboten werden, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Saarland. Sie fordert deshalb erneut, mehr für die Fachkräftebindung der vorhandenen sozialpädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun und die Attraktivität des Berufes durch mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und Gehalts- und Karriereperspektiven zu steigern.

Es bedürfe einer gemeinsamen Anstrengung von Land, Kommunen und Trägern, um die Bindung des bereits in Kitas beschäftigten Personals zu festigen. Notwendig sei außerdem eine weitere Steigerung der Ausbildungskapazitäten, der praxisintegrierten Ausbildung und der Zahl der Fachschullehrkräfte.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 24.08.2021 berichtet.

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