Die Baustelle des Ludwigsparkstadions von oben, Februar 2019 (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Warum werden öffentliche Bauten oft teurer als geplant?

Axel Wagner   23.03.2019 | 10:07 Uhr

Die gestiegenen Baukosten beim Saarbrücker Ludwigspark haben für breite Diskussionen gesorgt. 28 Millionen waren zuletzt veranschlagt, nach jetzigem Stand sollen es 38 Millionen werden, verlängerte Bauphase inklusive. Demgegenüber stehen private Projekte wie der Neubau von Möbel Martin in Saarbrücken, die deutlich schneller vorankommen und – vor allem – im Kostenrahmen bleiben. Wo ist der Unterschied?

Das Problem bei öffentlichen Bauten wie dem Ludwigspark sei, dass der Kostenrahmen schon sehr früh festgesteckt oder öffentlich bekanntgegeben wird, sagt Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Bauwirtschaft des Saarlandes (AGV Bau Saar). Architekten unterteilen den Bau in neun Leistungsphasen, von der Grundlagenermittlung über verschiedene Planungsstufen bis zur Betreuung des fertigen Gebäudes.

Fehlerhafte Planung

„Eigentlich sollte man Leistungsphase sieben abwarten“, sagt Weyers. In dieser Phase wird auf Basis von Einheits- und Pauschalpreisen ein Kostenvoranschlag für das gesamte Projekt erstellt. Außerdem werden die Aufträge vergeben. „Erst mit Phase sieben weiß ich, was das Stadion kostet.“

Ein zweites Problem bei öffentlichen Bauten ist für Weyers, dass häufig einzelne Gewerke erst mit großer Verzögerung ausgeschrieben werden. Dadurch können die Kosten für den jeweiligen Auftrag höher ausfallen als ursprünglich veranschlagt, und auch die Auftragslage der Baufirmen ändert sich in dieser Zeit. Zurückzuführen sind die Verzögerungen bei der Ausschreibung unter anderem darauf, dass bei den ersten Beschlüssen die Detailplanungen noch nicht abgeschlossen sind. „Es wird sehr viel erst baubegleitend geplant“, sagt Weyers. Um Kosten im Griff zu behalten, müsse aber die Detailplanung bei deren Festlegung schon möglichst weit fortgeschritten sein.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Christoph Walter, Chef des Steuerzahlerbundes im Saarland. „Was uns bei größeren Projekten auffällt, ist in vielen Fällen eine ganz schlechte Planung.“ Als Beispiel nennt er die Elbphilharmonie in Hamburg. „Da hat es von Anfang an in der Planung andauernd Änderungen gegeben. Dieser Wunsch musste berücksichtigt werden und dies und das. Das war auch mit ein Grund, warum die Kosten so immens ausgeufert sind.“ Hinzu kämen immense Fehler bei der Ausschreibung. Diese sei oft unzureichend. „Dann kann natürlich auch das Angebot, das abgegeben wird, nicht passen.“ Auch das Controlling, also die Überwachung der Arbeiten und des Budgets, finde häufig gar nicht oder nur unzureichend statt.

„Fehlende Kostenehrlichkeit“

Einen ganz erheblichen Punkt nennt Walter die „fehlende Kostenehrlichkeit“. Damit meint er eine Strategie, bei der „von vorneherein die Kosten niedrig gerechnet werden, um Zustimmung in der Öffentlichkeit oder in der Politik für das jeweilige Projekt zu bekommen. Das hatten wir hier im Ludwigspark, ein schönes Beispiel.“

Nachgewiesen worden sei diese Strategie bei einem anderen Saarbrücker Großprojekt, der Stadtmitte am Fluss. „Da gab es mal die 380 Millionen, vielleicht erinnern Sie sich an diese Größenordnung, die da durch die Gegend gegeistert ist, und da hat der Rechnungshof die Dinge mal geprüft. Die haben in ihren Bericht reingeschrieben, schwarz auf weiß, dass die Kosten nicht zutreffend sind. Die sind tatsächlich viel höher. Man hat die wohl bewusst runtergerechnet.“

Verallgemeinern will Walter diesen Vorwurf nicht. „Aber in vielen Fällen ist uns das aufgefallen. Da wird methodisch vorgegangen. Von Anfang an weiß man, das Ding wird teurer, aber da gehen sie hin und nennen irgendwelche Kosten, wo sie von vorneherein wissen, das wird wohl hinten und vorne nicht ausreichen. Aber um die Zustimmung zu bekommen und die Leute in der Öffentlichkeit nicht zu erschrecken, werden diese niedrigeren Beiträge genannt.“ Beim Ludwigspark, so Walter, sei es 2013 mit 15 Millionen losgegangen. Vier Monate später seien dann schon 16 Millionen genannt worden. „Aber auch zu dem Zeitpunkt gab es kein Konzept für den Umbau. Das ist erst später gekommen.“

Martin-Neubau im Kostenrahmen

Für den Umbau des Ludwigsparkstadions sind derzeit Gesamtkosten in Höhe von 38 Millionen Euro veranschlagt. Eine Steigerung ist nicht auszuschließen.

Beim neuen Stammhaus von Möbel Martin am Saarbrücker Osthafen gibt es solche Probleme dagegen nicht. Private Bauträger unterliegen nicht den Anforderungen, die öffentliche Stellen berücksichtigen müssen, etwa bei der Ausschreibung der Aufträge. Nach Unternehmensangaben ist der Bau im mit 50 Millionen Euro veranschlagten Kostenrahmen geblieben. In dieser Woche wurde das Haus eröffnet.

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