Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion aus der Luft. (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Ludwigspark-Baufirma verklagt Stadt Saarbrücken

Thomas Gerber   13.10.2020 | 17:38 Uhr

Nach der für den Rasen zuständigen Gartenbaufirma will nun auch die Baufirma Peter Gross die Stadt Saarbrücken verklagen. Beide Unternehmen erheben schwere Vorwürfe gegen den mit der Bauleitung beauftragten Chef der städtischen Gesellschaft GIU Martin Welker.

Ludwigspark: Klagen wegen offener Rechnungen
Audio [SR 3, (c) SR, 13.10.2020, Länge: 01:07 Min.]
Ludwigspark: Klagen wegen offener Rechnungen

Die St. Ingberter Firma Peter Gross war im Ludwigspark für den Bau der Tribünen und des Funktionsgebäudes zuständig. Sie hat Arbeiten für rund neun Millionen Euro, die bis auf kleinere Mängel abgeschlossen sein sollen, verrichtet. Die Schlussrechnung in Höhe von 850.000 Euro liege der Saarbrücker Stadtverwaltung bereits seit Anfang des Jahres vor, sei aber noch immer nicht beglichen worden, so Philipp Gross, Geschäftsführer von Peter Gross. Ein solches Geschäftsgebaren habe er bei einem öffentlichen Auftraggeber noch nie erlebt.

Vorwurf wegen Diebstahl

Gleiches gelte für das Auftreten des Geschäftsführers der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung mbH (GIU), Martin Welker. Der habe Mitarbeitern von Peter Gross regelrecht den Krieg erklärt, ihnen "nach Gutsherrenart" ein Baustellenverbot erteilt und sie unter Druck gesetzt. Zudem berichtet Gross von Diebstahl. Material der Firma Peter Gross, das noch auf der Baustelle gelagert war, soll der GIU-Chef einfach an andere Firmen verschenkt haben. Auch diesen Schaden in Höhe von circa 3500 Euro will Gross geltend machen.

GIU-Chef Welker wies die Vorwürfe zurück. Mit den von Gross angeführten Rechnungen habe er nichts zu tun. Zur Zeit der Rechnungsstellung sei er noch gar nicht Bauleiter im Ludwigspark gewesen. Die von Gross genannten Verfehlungen auf der Baustelle seien frei erfunden. Nie habe er der Firma "den Krieg erklärt".

Wegen der öffentlich geäußerten Unterstellungen will Welker nun Strafanzeige gegen Gross wegen Verleumdung und übler Nachrede erstatten. Zudem habe ein Mitarbeiter von Gross versucht, ihn mit einer Wasserwaage zu attackieren. Auch das will der GIU-Geschäftsführer zur Anzeige bringen. Er äußerte diesbezüglich die Vermutung, dass es bei der jetzt angekündigten Klage nur darum gehe, ihn als möglichen Baudezernenten zu verhindern. Er wolle der jahrelang herrschenden Selbstbedienungsmenatlität aber ein Ende setzen.

Rechtsanwalt eingeschaltet

Wegen der ausstehenden Zahlungen und des Verhaltens von Welker habe sich das Unternehmen bereits vor einiger Zeit an die Stadt gewandt, von dort allerdings keine Rückmeldung bekommen. Seit fünf Wochen habe die Firma nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um die ausstehenden 850.000 Euro vermutlich vor dem Landgericht einzuklagen.

Zuvor hatte bereits der für die Beregnungsanlage, den Rasen und die Rasenheizung verantwortliche Garten- und Landschaftsbauer Kempf die Stadt Saarbrücken auf gut 400.000 Euro verklagt, weil diese nicht zahlen wolle. Die Stadtverwaltung wies die Vorwürfe zurück und verwies auf Baumängel. Unterdessen wirft Kempf GIU-Chef Welker "unfachmännisches Vorgehen" vor.

Mögliche Erklärung für Pfützen-Problem

Welker habe zu verantworten, dass nach der Verlegung des Rasens keine sogenannte "Aerifizierung" erfolgt sei. Dabei werde mit speziellen Geräten der Untergrund aufgelockert, um so die Wasserdurchlässigkeit zu verbessern. Dies und der Einbau von offenbar lehmhaltigem Sand, der so nicht geplant gewesen sei, hätten vermutlich dazu geführt, dass sich beim letzten Heimspiel des 1. FC Saarbrücken Pfützen auf der Spielfläche gebildet hätten. Die Stadt solle laut Kempf "Fachleute einschalten", um die von Welker zu verantwortenden Fehler aufzudecken und um weiteren Schaden zu vermeiden.

Unterstützung durch OB-Conradt

Auch diese Vorwürfe wies Welker zurück. Kempf habe eine Leistung mit Mängeln abgeliefert. So habe er unter anderem den Auftrag gehabt, eine neue Beregnungsanlage zu liefern, dann aber die alte eingebaut.

Oberbürgermeister Uwe Conradt gab dem GIU-Geschäftsführer Rückendeckung. Eine Sprecherin des Oberbürgermeisters sagte, man scheue die juristischen Auseinandersetzungen keineswegs. Es gehe schließlich um Steuergeld. Im Übrigen arbeite Herr Welker nicht nur an der Beschleunigung der Baustelle, sondern auch daran, die Auszahlung von Rechnungen zu erbrachten Leistungen zu beschleunigen. Dies gelte allerdings nur für gerechtfertigte Rechnungen.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 13.10.2020 berichtet.

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