Rollstuhlfahrer an der Bordsteinkante einer Haltestelle (Foto: dpa)

5000 Haltestellen noch nicht barrierefrei

Manuela Weichsel   20.12.2019 | 07:00 Uhr

Das EU-weite Ziel, bis 2022 alle Bushaltestellen barrierefrei zu gestalten, wird im Saarland wohl nicht erreicht werden. Nach Schätzungen des Verkehrsministeriums sind noch rund 5000 der über 6000 Haltestellen nicht barrierefrei.

Rillensteine für Sehbehinderte und die passende Bordsteinhöhe, damit Rollstuhlfahrer besser einsteigen können: Das sind einige der Kriterien, die Bushaltestellen bis 2022 erfüllen sollen. Wie das Verkehrsministerium dem SR mitteilte, wurden in den vergangenen drei Jahren zwar rund 750 Haltestellen barrierefrei umgebaut oder zumindest deren Umbau genehmigt – davon 172 in diesem Jahr.

Vollständiger Ausbau bis 2022 nicht möglich

5000 Haltestellen noch nicht barrierefrei
Audio [SR 3, Manuela Weichsel, 20.12.2019, Länge: 00:42 Min.]
5000 Haltestellen noch nicht barrierefrei

Die restlichen rund 5000 Haltestellen innerhalb von nur zwei Jahren nachzurüsten, erscheint allerdings unmöglich. "Der barrierefreie Ausbau der Haltestellen bleibt eine Daueraufgabe für die Kommunen und kann - wegen der Finanzsituation, aber auch wegen der begrenzten Kapazitäten der Bauwirtschaft - nur Schritt für Schritt umgesetzt werden," so das Wirtschaftsministerium gegenüber dem SR.

Verschiedene Verbände finden klarere Worte. Werner Mathias Ried vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum Beispiel: "Bis 2022? Das schaffen wir nicht." Da ist sich auch Angela Staub von der Landesvereinigung der Selbsthilfe e.V. sicher. Aber: "Wir sind auf einem gutem Weg." Es sei notwendig, ein Bewusstsein zu schaffen dafür, wie wichtig Barrierefreiheit ist. So sieht es auch Peter Reichert vom BSK-Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter. "Davon profitiert dann auch die Oma mit dem Rollator oder der Vater mit Kinderwagen."

Barrierefreiheit wird nicht kontrolliert

Der barrierefreie Umbau ist eigentlich Aufgabe der Kommunen. In den vergangen Jahren gab es dafür allerdings Unterstützung vom Bund: rund 30 Millionen Euro. So mussten die Kommunen nur zehn Prozent der Kosten selbst tragen. Diese Gelder sind jetzt verbraucht, das saarländische Verkehrsministerium will Umbauten aber auch in Zukunft weiter fördern – dazu wird gerade eine Richtlinie entwickelt. Die Gesamtkosten dafür seien schwierig abzuschätzen, weil der Aufwand je nach Haltestelle stark variiere.

Der Vorsitzende des BSK-Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter, Uwe Wagner, kritisiert, dass niemand kontrolliere, ob die Haltestellen wirklich barrierefrei sind. Außerdem sei das Thema viel zu spät angegangen worden: "All die Jahre hat es die Kommunen nicht interessiert". Trotzdem: Es sei zwar noch nicht alles gut, aber immerhin "besser, als es mal war".

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.12.2019.

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