Bahnhof Rohrbach in desolatem Zustand (Foto: SR/Caroline Uhl)

Fast jede zweite Bahnstation hat gravierende Mängel

Caroline Uhl / Niklas Resch   28.11.2019 | 11:52 Uhr

Der Zustand der Bahnhöfe im Saarland hat sich weiter verschlechtert. Insbesondere das Erscheinungsbild kleinerer Bahnstationen hat sich verschlimmert, zeigt ein Gutachten, das dem SR vorliegt. Ob und wann Abhilfe kommt, ist unklar.

Im Jahr 2016 hatte die Landesregierung ein erstes Gutachten zur Lage der Bahnhalte im Saarland erstellen lassen. Schon damals sahen die Autoren der Untersuchung an vielen DB-Stationen erkennbaren oder sogar dringenden Handlungsbedarf. Im vergangenen Jahr folgte ein weiteres Gutachten, dessen Ergebnis jetzt dem SR vorliegt: Insbesondere an den kleinen Bahnstationen hat sich die Lage noch weiter verschlechtert.

Video [aktueller bericht, 28.11.2019, Länge: 3:40 Min.]
Gravierende Mängel an saarländischen Bahnhöfen

So sieht das neue Gutachten dringenden Handlungsbedarf bei fast der Hälfte der saarländischen Bahnhöfe. Allein beim Erscheinungsbild weisen laut Gutachten fast 70 Prozent der Stationen gravierende Mängel auf. Am schlechtesten schneiden die Haltepunkte in Wiebelskirchen und Rohrbach ab. Dort gibt es deutliche Einschränkungen bei der Barrierefreiheit, viele Schmierereien oder kaputte Glasscheiben.

Saarländische Bahnhöfe in Not
Video [SR Fernsehen, Wir im Saarland - Das Magazin, (c) SR, 28.11.2019, Länge: 04:58 Min.]
Saarländische Bahnhöfe in Not

Die Visitenkarten des Ortes

Die besten Resultate liefern die großen Hauptbahnhöfe in Saarbrücken und Homburg. Insgesamt ist es aber eine Situation im Saarland, die Anlass zur Kritik gibt. "Das Problem ist, es wird sogar noch schlechter", sagt der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Oliver Luksic. "Es muss dringend mehr investiert werden, denn die Bahnhöfe sind ja auch die Visitenkarten der Bahn und auch des Ortes."

Saarländische Bahnhöfe in schlechtem Zustand
Audio [SR 3, Niklas Resch, 28.11.2019, Länge: 03:14 Min.]
Saarländische Bahnhöfe in schlechtem Zustand

Verantwortlich für die Stationen ist vor allem die Deutsche Bahn. Doch die hat in den vergangenen Jahren vor allem an den kleineren Haltepunkten wenig getan. Zu wenig, wie auch die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) findet. "Wenn man sich die Bahnhöfe anschaut, wird man zu keinem anderen Schluss kommen können, denn wenn unser Anspruch ist, dass die schön und in Ordnung sind, dann wird dieser Anspruch nicht überall erfüllt", sagt Rehlinger.

Warten auf Förderprogramm

Das Saarland ist mit dem Problem verfallender Bahnhöfe nicht alleine. Deshalb hatte sich die Große Koalition im Bund vor eineinhalb Jahren darauf geeinigt, 1000 kleine Bahnhöfe zu sanieren. 330 Millionen Euro will das Bundesverkehrsministerium investieren. Doch die Planungen dazu kommen nur langsam voran, wie FDP-Mann Luksic kritisiert. "Zum einen dauert das viel zu lange, es muss schneller gehen, zum anderen reicht das Geld auch nicht aus. Es soll 330.000 Euro pro Bahnhof im Schnitt geben. Das ist viel zu wenig, wenn man sieht, was dort gemacht werden muss."

Fast jede zweite Bahnstation hat gravierende Mängel
Audio [SR 3, Alexander M. Groß, 28.11.2019, Länge: 04:36 Min.]
Fast jede zweite Bahnstation hat gravierende Mängel

Im kommenden Jahr soll das "Tausend-Bahnhöfe-Programm" starten, teilt das Bundesverkehrsministerium dem SR mit. Details sind aber weiter offen. So ist auch unklar, ob und wie viel Geld ins Saarland fließt.

Land zahlt mit

Das saarländische Verkehrsministerium ist inzwischen selbst aktiv geworden und hat vor einem halben Jahr gemeinsam mit der Bahn ein Pilot-Projekt gestartet. Seitdem ist ein Zwei-Mann-Team nur im Saarland unterwegs, um Schönheitsreparaturen an den Bahnsteigen und Haltepunkten durchzuführen. Mit 220.000 Euro ist das auf zwei Jahre angelegte Projekt veranschlagt, die Kosten teilen sich Land und Bahn. Damit überhaupt etwas passiert, muss also das Land bei Aufgaben der Bahn mit einspringen.

Der Grünen-Landeschef Markus Tressel fordert vom Land noch mehr Engagement. Er verlangt nach einer "Investitionsoffensive für attraktive Bahnhöfe, die barrierefrei, gut ausgestattet und bestmöglich mit anderen Verkehrsträgen verknüpft sein" müsse. Bisher habe sich das Land hingegen lieber um den Autoverkehr gekümmert.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 27.11.2019 berichtet.


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