Hauptbahnhof Saarbrücken (Foto: Imago/Becker&Bredel)

Bahn zieht DB Regio aus dem Saarland ab

  21.01.2019 | 16:06 Uhr

Die Deutsche Bahn will den Bereich DB Regio, der für den Regionalverkehr zuständig ist, aus Saarbrücken abziehen und nach Mannheim und Frankfurt verlegen. Aus Sicht der Fraktionsvertreter der Parteien im saarländischen Landtag sei das ein fatales Signal.

Der Regionalverkehrsbereich soll abgezogen werden, bestätigte EVG-Landesleiter Saar Ralf Damde dem SR. Er war bisher der zentrale Ansprechpartner für alle Bahninteressen an der Saar. Künftig müsse das Land für alle Standortfragen in Mainz oder Frankfurt Rücksprache halten. Damde kritisierte das Vorgehen der Bahn. Er kündigte Widerstand der Gewerkschaft gegen die Pläne an.

Video [aktueller bericht, 21.01.2019, Länge: 2:17 Min.]
Rückzugspläne von DB-Regio

Lafontaine: "Saarland auf dem Abstellgleis"

Reaktionen auf Bahnpläne, DB Regio nach Mannheim zu verlagern
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 21.01.2019, Länge: 03:06 Min.]
Reaktionen auf Bahnpläne, DB Regio nach Mannheim zu verlagern

Mit einer solchen Entscheidung würde das Saarland sprichwörtlich aufs Abstellgleis gestellt, findet der Fraktionsvorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine. Lafontaine greift zudem auch die saarländischen Politiker im Bund scharf an. Es könne nicht sein, dass diese bei solchen Themen nichts für das Land machten. Die AfD schlägt mit ihrer Kritik in dieselbe Kerbe. Deren Fraktionschef Josef Dörr sieht hierin aber auch die Fortsetzung einer langen Entwicklung – und den Ausdruck der Tatsache, dass Regionen wie das Saarland für die Bahn unwichtig seien.

Aus Sicht des stellvertretenden Fraktionschefs der SPD, Eugen Roth muss die Politik der Deutsche Bahn AG in Zukunft klarere Grenzen setzen. Roth brachte hier die Idee eines Verkehrsverbunds der Großregion ins Spiel, dem auch Luxemburg angehören könne. In so einem Verbund hätte auch das Saarland der Bahn gegenüber mehr Gewicht. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, Bernd Wegner, dagegen betonte, dass die Landesregierung und die Bahn weiter im Gespräch seien. Vor allem der Erhalt der ICE-Strecke nach Paris über Saarbrücken und eine bessere Anbindung an München seien wichtig.

"Hans und Rehlinger müssen Bahnanbindung zur Chefsache erklären"

Die Saar-Grünen fordern Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) auf, in Berlin zu intervenieren, um mögliche Rückzugspläne der Deutschen Bahn aus dem Saarland zu verhindern. Grünen-Landeschef Markus Tressel wirft der Landesregierung vor, bahnpolitisch versagt zu haben. Sie entfalte in Berlin keine Durchschlagskraft und nehme alles klaglos hin.

Auch der saarländische FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic sieht Handlungsbedarf. Er fordert Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) auf, die Bahn zur Chefsache zu erklären, um die Strukturen im Saarland zu retten. Das Saarland drohe im Bahnverkehr langsam aber sicher den Anschluss zu verlieren.

Bahn: "Saarland wichtiges Bundesland"

Das Saarland werde "nicht abgehängt", sondern bleibe "ein wichtiges Bundesland", teilte dagegen die Deutsche Bahn mit. "Gewinne als auch Verluste machen organisatorische Anpassungen notwendig", kommentierte ein Bahnsprecher. Wie genau diese aussehen, sagte er allerdings nicht. Man stehe in engem Austausch mit Arbeitnehmervertretern und wolle dem Prozess nicht vorgreifen.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Rundschau vom 21.01.2019 berichtet.

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