Vlexx-Zug und ein Wagen der Deutschen Bahn (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Bald deutlich weniger Züge am Wochenende

Kai Forst   21.10.2019 | 18:51 Uhr

Ab dem 15. Dezember gilt im Saarland ein neuer Zug-Fahrplan. Auf der Strecke zwischen Saarbrücken und St. Wendel fahren dann an den Wochenenden deutlich weniger Regionalbahnen. Die Grünen sprechen von einem „Zugkahlschlag“ und werfen der Landesregierung Versagen vor.

Wer derzeit an einem Samstag mit der Bahn von Saarbrücken in Richtung St. Wendel aufbrechen möchte, hat viele Möglichkeiten. Denn im Halbstundentakt fährt eine Regionalbahn. Jägersfreude, Friedrichsthal, Wiebelskirchen oder Niederlinxweiler: An insgesamt 13 Bahnhöfen hält die Regionalbahn auf ihrem Weg von der Landeshauptstadt ins nordöstliche Saarland und umgekehrt.

Mit dem neuen Fahrplan, der am 15. Dezember in Kraft tritt, wird dieses Angebot deutlich ausgedünnt. Dann fährt nur noch alle 60 Minuten eine Regionalbahn. Das bestätigte eine Sprecherin des Vlexx-Konzern, der ab Dezember diese Strecke bedienen wird. Insgesamt fallen durch den Fahrplanwechsel auf der Strecke von Saarbrücken bis St. Wendel in beiden Fahrtrichtungen an Samstagen rund 30 Züge weg.

"Zugkahlschlag am Wochenende"

Die Saar-Grünen sprechen von einem „Zugkahlschlag am Wochenende“ und bezeichnen die Ausdünnung des Verkehrsangebotes auf der Schiene als einen "Schlag für alle ÖPNV-Nutzer". „Das Angebot an Regionalzügen, die alle Bahnhöfe zwischen Saarbrücken, Neunkirchen und St. Wendel bedienen, wird an Samstagen einfach mal halbiert. Und das auf einer der wichtigsten Bahnstrecken im Saarland, die durch bevölkerungsreiche Gebiete führt“, sagte der Grünen-Landeschef und Bundestagsabgeordnete Markus Tressel.

Die Kritik Tressels richtet sich vor allem an die Landesregierung, die mit dem neuen Fahrplan die Verkehrswende torpediere. Das Klimabewusstsein der Landesregierung reiche „offenbar noch nicht mal bis Weihnachten“. Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) müsse die Notbremse ziehen und die Kürzung rückgängig machen, „wenn sie den öffentlichen Personennahverkehr im Saarland nicht vollends gegen die Wand fahren möchte“, sagte Tressel. Statt weniger brauche man im Saarland signifikant mehr Zugverbindungen.

Ministerium verweist auf geringe Nachfrage

Das Wirtschaftsministerium teilte dem SR mit, dass die geringe Nachfrage der Grund dafür sei, dass der Fahrplan angepasst wurde. Sollte diese steigen, könne die Anzahl der Züge im Verkehrsvertrag jederzeit wieder erhöht werden.

Hintergrund

Laut dem Gesetz über den Öffentlichen Personennahverkehr im Saarland ist das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr für Planung, Organisation und Ausgestaltung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig.

Die Strecke von Saarbrücken über St. Wendel nach Neubrücke sowie die Strecken Saarbrücken bis Lebach-Jabach, Saarbrücken über Merchweiler und Neunkirchen nach Homburg sowie zwischen Homburg und Illingen werden mit Inkrafttreten des neuen Fahrplans nicht mehr von der Deutschen Bahn, sondern vom privaten Verkehrsunternehmen Vlexx bedient. Vlexx hatte den Zuschlag einer Ausschreibung für diese Strecken erhalten.

Zum Start des neuen Fahrplans im Dezember kann Vlexx allerdings nicht wie geplant auf neue Züge des Herstellers Bombardier zurückgreifen, sondern muss vorübergehend ältere Triebzüge anmieten. Bombardier hatte zum wiederholten Male einen Lieferverzug der von Vlexx bestellten Talent-3-Triebfahrzeuge einräumen müssen.

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