Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Eichwald zum Autobahnanschluss Homburg-Ost (Foto: Steffani Balle)

Planungspanne bei Autobahn-Anschluss Homburg Ost?

Axel Wagner / mit Informationen von Steffani Balle   18.03.2019 | 16:32 Uhr

Die vom Stadtrat beschlossene Wegführung einer neuen Autobahnanschlussstelle Homburg Ost ist nach Ansicht einer Bürgerinitiative aus dem Stadtteil Homburg-Jägersburg nicht durchführbar. Wasserschutzrechtliche Bedenken seien dem Stadtrat bei der Beschlussfindung vorenthalten worden. Das wurde am Freitagabend bei einer Infoveranstaltung der Bürgerinitiative bekannt. Die Homburger Stadtverwaltung widerspricht.

Bürgerstimmen zur Autobahnanschlussstelle bei Jägersburg
Audio [SR 3, (c) SR, 16.03.2019, Länge: 03:12 Min.]
Bürgerstimmen zur Autobahnanschlussstelle bei Jägersburg

Über 150 Menschen waren am Freitagabend in den Saal der Gustavsburg gekommen, der für so viele Besucher eigentlich gar nicht ausgelegt ist. Schon beim Weg in die erste Etage kommen Leute zurück, die sich nicht mehr reinquetschen konnten. Das Interesse ist groß, der Ärger über die geplante Trassenführung ebenso.

Der Hundesportplatz würde nach jetziger Trassenplanung von zwei großen Straßen eingezwängt. Die Umweltverträglichkeitsprüfung wurde schon vor mehr als zehn Jahren gemacht. Dennoch befürchtet der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dass Tiere wie Hirsche beim Wildwechsel und Kröten auf ihrer Wanderung massiv gestört werden. Außerdem sei der Eichwald mit seiner Mischkultur aus Eichen und Buchen, die es so nur noch selten in Deutschland gebe, sehr wertvoll.

Bau durch Wasserschutzgebiet

Der eigentliche Hammer aber ist: Die so genannte Variante 2, die der Homburger Stadtrat erst vor wenigen Wochen für eine neue Autobahn-Anschlussstelle mit Mehrheit beschlossen hat, führt durch ein Wasserschutzgebiet der Kategorie 3. Innerhalb dieses Gebiets sei es nach Landesverordnung nicht erlaubt zu bauen.

Weder Häuser noch Straßen dürften in solch geschützten Zonen gebaut werden, betont Gerd Braun, ein ehemaliger Beschäftigter der Stadtwerke Homburg, der lange Jahre für den Grundwasserschutz zuständig gewesen ist. In diesem Schutzgebiet liegen drei Trinkwasserbrunnen, die im Fall einer Umsetzung der beschlossenen Straße geschlossen und an einer anderen Stelle neu gebohrt werden müssten.

Die von der Bürgerinitiative Eichwald bevorzugte Variante 1
Die bislang geplante Variante 2

Millionenbetrag nicht eingerechnet

Die Kosten dafür würden sich nach seiner Schätzung auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Die sind in der dem Stadtrat vorgelegten Abstimmungsvorlage nicht eingerechnet worden. Das bestätigten am Freitagabend mehrere Stadtratsmitglieder unterschiedlicher Parteien. „Es wurde mit keinem Wort erwähnt, dass in dem Wasserschutzgebiet keine Straßen durchzuführen sind“, stellte Jürgen Schäfer fest. Schäfer ist Ortsvorsteher von Jägersburg und als SPD-Fraktionsmitglied auch im Stadtrat von Homburg. „Wenn das andere Stadtratsmitglieder gewusst hätten, hätten die mit Sicherheit auch anders entschieden.“

Die Bürgerinitiative will den Bau einer neuen Autobahnzufahrt quer durch den Mischwald zwischen Erbach und Jägersburg verhindern. 

Verwaltung hält Brunnenschließung für unwahrscheinlich

Die Stadt Homburg widersprach am Montag der Darstellung der Bürgerinitiative. Zwar ziehe die von der Stadt beschlossene Variante 2 einen starken Eingriff in die Waldfunktion nach sich. Aufgrund der sehr guten Wirkung auf den Verkehr und im Hinblick auf die bestmögliche Entlastung für die Bürger in Erbach und Reiskirchen sei die Entscheidung dafür bewusst getroffen worden. Die Auswirkungen des Verkehrs auf Jägersburg seien bei beiden Varianten sehr ähnlich.

Beide Varianten, so die Stadtverwaltung, liegen in Wasserschutzgebieten 2 und 3, jedoch nicht in einem direkten Brunnenschutzgebiet (Zone 1). Dies gelte auch für die beiden denkbaren Anschlussstellen. Grundsätzlich sei eine Streckenführung durch eine Wasserschutzgebietszone möglich, sofern die entsprechenden Richtlinien (RiStWag). Daher sei auch keine Brunnenschließung zu befürchten.

Derzeit befinde man sich noch auf der untersten Ebene des Planverfahrens, beim Vorentwurf, heißt es in der Mitteilung weiter. „Sollten Eingriffe in den Wasserschutz oder andere Problemstellungen nicht auszugleichen sein, so wäre der Linienverlauf entsprechend zu ändern oder eine andere Variante als Vorentwurf zu beschließen.“ Derzeit würden alle Stellungnahmen zusammengetragen, geprüft und gewertet. Erst mit einem Abwägungsbeschluss im Rat könne die Realisierungsfähigkeit festgestellt werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 18.03.2019 berichtet.

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