Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Was Rehlinger als Frankreichbeauftragte des Bundes erwartet

mit Informationen von Bettina Rau   04.11.2022 | 21:21 Uhr

Mit Beginn des neuen Jahres tritt Anke Rehlinger ihr neues Amt als Bevollmächtigte des Bundes für deutsch-französische Bildungs- und Kulturangelegenheiten an. Doch warum braucht es dieses Amt überhaupt? Und was gehört zu den wichtigsten Aufgaben?

Am Mittwoch ist Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) auf der Ministerpräsidentenkonferenz offiziell zur "Plénipotentiare" ernannt worden - zur Bevollmächtigten für deutsch-französische Bildungs- und Kulturangelegenheiten. Das Amt tritt sie am 1. Januar an.

Video [aktueller bericht, 04.11.2022, Länge: 4:04 Min.]
Anke Rehlinger zur deutsch-französischen Kulturbotschafterin ernannt

Als Bevollmächtigte steht sie im Rang einer Ministerin, sie ist damit in der Hierarchie der Bundesregierung an vierter Position nach der Außenministerin. Ihr französisches Pendant habe dadurch eine Ansprechpartnerin. "Das Ganze ist in Frankreich als Zentralstaat an einer Stelle gebündelt", erklärt Rehlinger im SR-Interview. In Deutschland würden Kultur- und Bildungsfragen aber auch von den Ländern übernommen. "Damit die Bundesregierung trotzdem einen Ansprechpartner für Frankreich hat, gibt es diese Rolle", so Rehlinger.

Deutsch-französisches Verhältnis etwas in Schieflage

Zuletzt war das deutsch-französische Verhältnis in Schieflage geraten. Frankreich reagierte zunehmend irritiert in Fragen der Energie- und Sicherheitspolitik. Selten wurde eine Missstimmung der Partner so öffentlich ausgetragen. Rehlinger sieht die Lage aber ganz pragmatisch. Es sei auch ein Ausdruck der anstrengenden Zeit. "Wir befinden uns im Grunde genommen in einem Dauerkrisenmodus: Corona, jetzt der Krieg und seine Auswirkungen."

Rehlingers Ziele als Frankreichbevollmächtigte
Audio [SR 3, Bettina Rau, 05.11.2022, Länge: 03:05 Min.]
Rehlingers Ziele als Frankreichbevollmächtigte

Grenzschließungen dürfen sich nicht mehr wiederholen

Verstimmung dies- und jenseits der Grenze, insbesondere im grenznahen Raum, gab es auch ganz zu Beginn der Corona-Pandemie, als zeitweilig die Grenzübergänge geschlossen wurden. Die Landesregierung stufte diese Maßnahmen im Nachhinein als Fehler ein. Anke Rehlinger, damals stellvertretende Regierungschefin, entschuldigte sich als erstes. Das sollte sich nicht wiederholen, sagt sie heute.

"Es war damals eine Katastrophe", so Rehlinger. "Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass der Eindruck, der dadurch entstanden ist, sich nicht verfestigt. Dass dieses Freundschaftsband sehr viel fester ist, sehr viel stabiler ist, als diese eine Fehlentscheidung."

Rehlinger betont Mehrsprachigkeit als Ziel

Im Gespräch über ihre neue Rolle als Bevollmächtigte des Bundes verweist Rehlinger auch mehrfach auf die Frankreichstrategie im Saarland. Es brauche eine ganze Generation, um Zweisprachigkeit zu etablieren.

Es war aber wohl eher die Vorgängerregierung, die dieses Ziel erreichen wollte. Rehlinger betont die  Mehrsprachigkeit. "Mir ist daran gelegen, dass wir das gar nicht im Sinne der Ausschließlichkeit betrachten: Französisch oder Englisch - sondern am besten beides", sagt die saarländische Regierungschefin. Und für besonders Sprachbegabte könnte auch noch Spanisch oder eine weitere Sprache hinzu kommen.

Gelegenheiten zum Üben schaffen

In ihrer neuen Funktion wird es viel um die Förderung des Spracherwerbs gehen. Französisch wird zwar im Saarland besonders gefördert, doch vielen geht es wie der Bevollmächtigten selbst: In der Schule hatte sie mehrere Jahre Französischunterricht - jetzt hat sie die Gelegenheit, auch noch einmal etwas in Übung zu kommen.

Sie betont, wie wichtig es sei, Gelegenheiten zu schaffen - etwa durch einen Schüleraustausch, so dass man das Sprechen der fremden Sprache "als etwas sehr Selbstverständliches begreift".

Gedenken an 60 Jahre Élysée-Vertrag

Rehlingers erster großer Einsatz als Bevollmächtigte wird während der Feierlichkeiten zum Gedenken an  60 Jahre Elysée-Vertrag im Januar sein. Die Spitzen beider Staaten werden sich dann treffen, mit dabei die neue Bevollmächtigte.

Über dieses Thema berichtete der aktuelle bericht am 04.11.2022.

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