Logo der Uniklinik Homburg (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Forscher wollen Atemwegs-Viren kontaktlos erkennen

  04.09.2021 | 18:50 Uhr

In einem gemeinsamen Projekt wollen die Saar-Uni, das Universitätsklinikum des Saarlandes und die TU Berlin ein Messsystem entwickeln, mit dem infektiöse Atemwegsviren ohne Berührungen erkannt werden können. Diese Monitoring-Technologie könnte in Zukunft zum Beispiel dabei helfen, Pandemien schneller und effizienter zu bekämpfen.

Das Coronavirus hält fast die ganze Welt seit mehr als eineinhalb Jahren in Atem – auch, weil vor allem die Mutationen extrem ansteckend sind. Auch aus diesem Grund wollen das Universitätsklinikum des Saarlandes, die Saar-Universität und die Technische Universität Berlin gemeinsam einen Weg finden, infektiöse Atemwegserkrankungen über ein kontaktloses Monitoring-System zu erkennen.

Damit sollen insbesondere Klinikmitarbeiter und Patienten davor geschützt werden, sich mit Viren anzustecken. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten und Wissenschaftlern erforscht nun die Möglichkeit, infizierte Personen bereits im Eingangsbereich von Kliniken mit einer kontaktlosen Überwachung zu identifizieren und somit mögliche Ansteckungen von vornherein zu verhindern.

Zahlreiche Parameter werden erhoben

Konkret geht es in dem Projekt um ein audio- und videobasiertes System. Damit sollen Parameter wie Herzrate, Lidschlag, Hauteigenschaften oder Augenrötung, aber auch Mimik, Gestik, sowie Stimm- und Atemgeräusche von freiwilligen Studienteilnehmenden mit oder ohne Atemwegsinfektion aufzeichnet werden, erklärt Projektkoordinator Michael Zemlin, Direktor der Homburger Kinderklinik.

Möglichst mehrere hundert Studienteilnehmer sollen zusammenkommen. Neben den kontaktlosen Messungen sollen zudem Körpertemperatur und Blutdruck erfasst sowie Blut- und Speichelproben untersucht werden. Die Ergebnisse sollen später mit den kontaktlos ermittelten Daten zusammengeführt werden.

Wie Sicherheitscheck am Flughafen

Dieses Screening soll ähnlich einfach stattfinden wie das Sicherheitsscreening am Flughafen. Wenn die Studie erfolgreich ist, wäre die Technologie nicht nur in Kliniken einsetzbar, sondern auch an anderen hochfrequentierten Orten, beispielsweise an Bahnhöfen, Einkaufszentren oder bei Großveranstaltungen, heißt es von den Initiatoren des Projekts.

Beide Systeme in Homburg

Im Rahmen der Studie soll das kontaktlose „Portalsystem“ im Ambulanzbereich zweier Uni-Kliniken getestet werden. Eins davon will Zemlin in der Ambulanz der Homburger Kinderklinik installieren. Das andere soll in der Ambulanz der Klinik für Innere Medizin aufgebaut werden.

Das Projekt „Integrierte neurotechnologische Architektur zum kontaktlosen Screening von virusbedingten Atemwegserkrankungen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 1,9 Millionen Euro für zwei Jahre gefördert.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja