Bergleute tragen die Statue der heiligen Barbara (Foto: SR)

Emotionaler Abschied vom Bergbau

  30.06.2012 | 22:39 Uhr

Mit der Mettenschicht, die für die Bergleute sonst ihre letzte Schicht vor Weihnachten ist, hat die Betreiberfirma RAG offiziell den Saar-Bergbau beendet. Rund 10.000 Bergleute, Familienangehörige und Bergbaufreunde kamen zur Veranstaltung nach Ensdorf.

(30.06.2012) Der "Tag des Abschieds" vom Bergbau im Saarland ist mit der Mettenschicht zu Ende gegangen. Nach Angaben des Bergwerks Saar kamen rund 10.000 Bergleute, Familienangehörige und Bergbaufreunde zu der Veranstaltung nach Ensdorf. Nach dem weltlichen Teil würdigten die katholische und die evangelische Kirche die Bergbau-Tradition im Saarland.

Trotz aller Wehmut mischte sich am "Tag des Abschieds" auch Volksfeststimmung unter die Emotionen. Kumpels schwelgten in Erinnerungen, Besucher warfen einen letzten Blick ins Werk und fröhliche Musik spielte auf.

Mettenschicht - Ein letztes Glück auf! Teil 3 [Video, 30.06.2012, Länge 53:30 Min.]

Um 20.15 Uhr läuteten aus der Ferne die Glocken - eine Aktion der Kirchen, die damit ein "im ganzen Land hörbares Zeichen der Hoffnung auf Zukunft" setzen wollten. Dieser akustische Kopf-hoch-Appell richtete sich an die derzeit noch gut 1200 Bergleute im Saarrevier, die nach Nordrhein-Westfalen übersiedeln müssen.

Ende einer Ära

Mancher Betroffene versteht bis heute nicht, warum die damalige CDU-Landesregierung sich nach einem schweren Grubenbeben im Februar 2008 so abrupt vom heimischen Energieträger Kohle verabschiedet hatte, statt ihn erst 2018 auslaufen zu lassen. "Es gibt einiges, was ungerecht war", stellte der 47-jährige Bergmann Roland Lorson fest. RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes sagte: "Gerade die fehlende politische Rückendeckung hier im Lande haben die Bergleute schmerzlich vermisst - und auch noch nicht ganz verwunden." 

Emotionale Worte wählte auch der Betriebsratsvorsitzende im Bergwerk Saar, Hans-Jürgen Becker: "Nun blutet der Bergbau aus, ein Wirtschaftszweig, der noch so viel zu geben hätte, er stirbt." Kohle und Stahl hätten für goldene Zeiten an der Saar gesorgt und seien Existenzgrundlage Zehntausender Familien gewesen.

Das Aus für den Saar-Bergbau ist endgültig, doch auch nicht jeder Politiker findet das richtig. Der Vorsitzende des Saar-DGB, der SPD-Landtagsabgeordnete Eugen Roth, hält die Entscheidung wirtschafts- und strukturpolitisch für falsch. "Das da war nix", erklärte er typisch saarländisch. Ex-Ministerpräsident Reinhard Klimmt (SPD) sagte: "Es gibt Momente, wo ich das Wasser unterdrücken muss."

Die amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die mit einem Bergmann verheiratet ist, rechtfertigte die Handlungsweise ihres Vorgängers Peter Müller: "Die Politik kann und muss präsent sein, weil sie zu dem zu stehen hat, was sie in der Vergangenheit beschlossen hat."

Tröstlich für die letzten Kumpel des Saarreviers ist, dass keiner ins "Bergfreie" fallen soll, wie das bei der RAG genannt wird. Das Bergbau-Aus wird sozialverträglich geregelt. Bis zum heutigen Tag habe es keine einzige betriebsbedingte Kündigung gegeben, betonte RAG-Chef Tönjes. "Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir einen solchen Arbeitgeber haben" meinte Bergmann Weiler dazu.


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