Münzen werden über ein rotes Portemonnaie gehalten.  (Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch)

160.000 Saarländer sind armutsgefährdet

Mit Informationen von Denise Friemann   12.07.2022 | 16:03 Uhr

Rund 160.000 Menschen im Saarland droht das Abrutschen in die Einkommensarmut. Das Problem trifft vor allem kinderreiche Familien, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Das Sozialministerium plant gezielte Hilfspakete.

Das Thema Armut betrifft auch im Saarland immer mehr Menschen. Etwa 16 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer waren 2020 von Einkommensarmut bedroht. Das heißt, sie hatten im Monat weniger als rund 1100 Euro zur Verfügung. Das geht aus dem Armuts- und Reichtumsbericht hervor, den Sozialminister Magnus Jung (SPD) am Dienstag vorgestellt hat.

Video [aktueller bericht, 12.07.2022, Länge: 3:30 Min.]
160.000 Saarländer sind armutsgefährdet

Damit liegt das Saarland über dem Bundesdurchschnitt und auch im Vergleich zum letzten saarländischen Bericht von 2015 ist die Zahl leicht gestiegen. Weil der Bericht den Zeitraum von 2015 bis 2020 beleuchtet, wurden Ereignisse wie die Corona-Krise oder der Krieg in der Ukraine noch gar nicht berücksichtigt.

Mehr armutsgefährdete Kinder

Besonders betroffen sind laut dem Bericht sowohl kinderreiche Familien und Alleinerziehende als auch Menschen mit Migrationshintergrund. Auch die Zahl der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen im Saarland hat deutlich zugenommen. Rund jedes fünfte Kind unter 18 ist armutsgefährdet.

"Die Armut wächst und die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich", so Sozialminister Jung. Armut zeige sich dabei nicht nur durch einen Mangel an finanziellen Mitteln, sondern auch in der Bildung und Gesundheit, der Wohnungssituation sowie der Frage, wie Menschen gesellschaftlich und politisch teilhaben.

Armutsrisiko im Saarland: Was tun?
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen (c) SR, 13.07.2022, Länge: 04:31 Min.]
Armutsrisiko im Saarland: Was tun?

Pläne für besonders betroffene Orte

Jung will mit Hilfe einer interministriellen Arbeitsgruppe Pläne für die Quartiere im Saarland erstellen, die besonders von Armut betroffen sind, wie zum Beispiel der Regionalverband Saarbrücken. Dafür, so Jung, sollen bestehende Mittel in Zukunft besser eingesetzt werden.

"Armut kann dauerhaft nur überwunden werden, wenn die Menschen gleichberechtigten Zugang zu guter Arbeit, hochwertiger Bildung sowie der Gesundheitsversorgung haben", sagte Jung.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.07.2022 berichtet.

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