Ein Mann steht vor einem Mülleimer und sucht nach Pfandflaschen (Foto: IMAGO / Michael Gstettenbauer)

Wohlfahrtsverbände kritisieren Armutsbericht als überholt

  13.07.2022 | 15:30 Uhr

Nach der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts wird im Saarland zunehmend Kritik laut. Die Wohlfahrtsverbände im Land monieren, dass der Bericht bereits bei Veröffentlichung überholt gewesen sei. Der Grund: Corona sowie die Auswirkungen des Ukraine-Krieges blieben unberücksichtigt.

Etwa 16 Prozent der Menschen im Saarland hatten im Jahr 2020 weniger als 1100 Euro im Monat zur Verfügung und waren von Einkommensarmut bedroht. Das geht aus dem Armuts- und Reichtumsbericht hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Bereits bei Veröffentlichung "überholt"

Nur einen Tag später kommt Kritik aus den Reihen der Wohlfahrtsverbände im Land. Denn nach Einschätzung der LIGA der freien Wohlfahrtspflege Saar ist der Bericht bereits bei seiner Veröffentlichung überholt. Die Basisdaten des Berichts seien vor der Corona-Pandemie erhoben worden, so der LIGA-Vorsitzende Jürgen Nieser.

Mit der Pandemie, der Inflation, der Ukraine-Krise und den daraus folgenden Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel seien Entwicklungen eingetreten beziehungsweise zu erwarten, die die Ergebnisse des Berichts in negativer Sicht deutlich übertreffen.

Ähnlich sieht das auch der Paritätische im Saarland und bedauert nach eigenen Angaben, dass sich der Bericht auf Daten vor Corona bezieht. Die Pandemie habe die Armutsrate gefährdeter Personengruppen im Saarland deutlich verstärkt. Die Auswirkungen des Ukrainekriegs intensivierten diese negative Entwicklung.

"Dringender Handlungsbedarf"

Die LIGA Saar sieht dementsprechend dringenden Handlungsbedarf und fordert, absehbare Negativfolgen für die Arbeitsmarksituation frühestmöglich abzufangen, in Bildung, Ausbildung und Weiterbildung auf allen Ebenen zu investieren und die Chancen der Zuwanderung zu nutzen.

Rentnerinnen und Rentner, Alleinerziehende und kinderreiche Familien sowie Menschen mit Migrationshintergrund sind demnach besonders armutsgefährdet. Konkrete Maßnahmen könnten nach Ansicht der LIGA Saar eine eigene Grundsicherung für Kinder, der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus sowie des ÖPNV und der Infrastruktur im ländlichen Raum sein.

„Insgesamt bestätigt der Bericht, was wir als Wohlfahrtsverbände schon wissen: die Schere zwischen Arm und Reich driftet immer weiter auseinander und besonders das Thema Energieversorgung bereitet uns jetzt schon größte Sorgen“, so Michael Hamm, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Rheinland-Pfalz/ Saarland.

Hilfe bei der Bekämpfung von Armut

Beide Organisationen haben bereits zugesagt, die Landesregierung bei der Bekämpfung der Armut zu unterstützen. "Wir halten ein gemeinsames Vorgehen für unverzichtbar und unterstützen die aktive Armutsbekämpfung im Saarland", so so der LIGA-Vorsitzende Jürgen Nieser.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.07.2022 berichtet.

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