Foto: Benjamin Morris

Was könnte aus dem Ford-Gelände werden?

  27.06.2022 | 17:16 Uhr

Welche Zukunftsperspektiven könnte es für das jetzige Ford-Gelände in Saarlouis geben? Autos bauen für einen chinesischen Hersteller? Ein Recyclingwerk für E-Autos? Armin Gehl, der Geschäftsführer der Autoregion Saar, hat im Gespräch mit dem SR die verschiedenen Möglichkeiten für die Zukunft durchgespielt.

SR: Herr Gehl, werden wirklich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ford ihre Jobs verlieren?

Armin Gehl: Wir gehen davon aus, dass die Chance sehr groß ist, dass zumindest das Presswerk bestehen bleibt, weil das hochmodern ist. Es ist vor einigen Jahren ganz neu aufgebaut worden. Dort könnten dann Teile für Valencia, Köln und andere Werke gepresst werden.

Wenn das Presswerk aufrecht erhalten wird und dort Bauteile für andere Werke produziert würden, dann würden nicht alle 4200 Leute entlassen werden, sondern nur rund 3000. Im Supplierpark würden von den 1600 etwa 1000 Arbeitsplätze wegfallen.

"Die Mitarbeiter im Bereich von Ford werden mit Sicherheit in der Region einen Arbeit finden"
Audio [SR 3, Renate Wanninger / Armin Gehl, 27.06.2022, Länge: 03:30 Min.]
"Die Mitarbeiter im Bereich von Ford werden mit Sicherheit in der Region einen Arbeit finden"

SR: Welche Chancen haben die Leute, die ihren Job verlieren?

Armin Gehl: Die Fachkräfte dort sind ja exzellent ausgebildet. Da sehe ich gute Chancen hier in der Region. Beispielsweise in dem Batteriewerk, das in Kaiserlautern gebaut wird und in etwa zwei Jahren den Betrieb aufnehmen wird. Dort besteht jetzt schon Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften.

SR: Jetzt hat man gehört, auch in China interessiert man sich möglicherweise für das Gelände. Wäre das eine Option?

Armin Gehl: Das Land ist gefordert, Akquise in China zu machen. Klinken putzen und fragen, wer dort Interesse daran hat. Aber dafür müsste das Werksgelände und die Hallen erstmal in Landesbesitz sein.

Wenn dies der Fall wäre, dann sehe ich sehr große Chancen gerade für den Bereich der preiswerten Elektroautos. Die Fahrzeuge zwischen 20.000 und 40.000 Euro pro Fahrzeug werden in Europa kaum angeboten. Und die Chinesen haben solche Modelle in ihrer Pipeline.

SR: Welche Möglichkeiten abseits von China könnte es noch geben?

Armin Gehl: Ich sehe auch Möglichkeiten, dass man an diesem Standort - der ja sehr groß ist - ein Recycling-Zentrum für Autobatterien aufbauen könnte. Denn bedenken sie: In zehn Jahren haben wir pro Jahr rund 300.000 Tonnen Altbatterien, die recycelt werden müssen.

Man könnte in Saarlouis ein komplettes Recycling-Zentrum für E-Fahrzeuge aufbauen. Damit wären wir in Europa auch einmalig, denn es gibt in ganz Europa derzeit kein Recyclingzentrum für Elektrofahrzeuge. Aber dafür müsste man heute schon die Weichen stellen.

Das komplette Interview wurde gesendet in der Region am Nachmittag am 27.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle. Die hier verschriftete Version ist leicht gekürzt.

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