Mehrfamilienhaus (Foto: dpa)

Kehrtwende in der Wohnungspolitik gefordert

Karin Mayer und Barbara Grech   22.11.2018 | 18:29 Uhr

Die Arbeitskammer des Saarlandes fordert eine Kehrtwende in der Wohnungspolitik. Jede vierte Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft müsse inzwischen einen Teil des Lebensunterhalts für die Miete verwenden. Immobilienverbände fordern vor allem weniger Bürokratie um die Kosten zu senken.

Das Geld fehle dann für Lebensmittel, Stromkosten oder Kinder, sagte Dagmar Ertl von der Arbeitskammer. Vor allem der kommunale Wohnungsbau müsse gestärkt werden. Die wichtige Daseinsvorsorge dürfe nicht den privaten überlassen werden.

Wenn die Wohnungssuche Jahre dauert
Audio [SR 3, Karin Mayer, 22.11.2018, Länge: 01:52 Min.]
Wenn die Wohnungssuche Jahre dauert

Die saarländische Armutskonferenz verlangt, dass Jobcenter beziehungsweise Sozialämter die tatsächlichen Kosten der Wohnung übernehmen. Stromsperren und Zwangsumzüge von Hilfsbedürftigen dürfe es nicht mehr geben. Manfred Klasen von der Armutskonferenz forderte, dass in sozialen Wohnungsbau investiert wird. 

Immer weniger Sozialwohnungen

Gipfel der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zum sozialen Wohnungsbau
Audio [SR 3, Steffani Balle, 22.11.2018, Länge: 03:06 Min.]
Gipfel der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zum sozialen Wohnungsbau

Im Saarland ist die Zahl der Sozialwohnungen im vergangenen Jahr auf 701 gesunken. 2005 waren es noch 5000 Sozialwohnungen. 

Saarländische Wohnungs- und Immobilienverbände fordern unkomplizierte Vorschriften für den sozialen Wohnungsbau. Auf einem Kongress in Saarbrücken kritisierte der Verband der saarländischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, dass Unternehmen ihre geförderten Projekte ab einer bestimmten Größe öffentlich ausschreiben müssten. Verbands-Präsident Leers sagte, viele kleinere Wohnungsbauunternehmen hätten dafür weder die Erfahrung noch das Personal. Außerdem müssten die Baukosten dringend gesenkt werden. Die wachsende Zahl von DIN-Normen, Vorschriften für Klima- und Brandschutz sowie für Barrierefreiheit trieben die Preise in die Höhe.

Leers warnt vor Verzahnung

Rund 400 Wohnungen sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren sollen im Saarland neu entstehen, sagte der Präsident des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Saar, Volker Leers, bei einem Treffen von Bauwirtschaft, Politik und Planern am Donnerstag in Saarbrücken. Rund 30 Prozent dieser Wohnungen solle mit Mitteln aus dem Förderprogramm für den sozialen Wohnungsbau entstehen, der Rest im mittleren Preisniveau.

Video [aktueller bericht, 22.11.2018, Länge: 2:35 Min.]
Mangel an günstigem Wohnraum im Saarland

Mit Blick auf Planungen der Stadt Saarbrücken warnte er davor, die Quote der Sozialwohnungen zu erhöhen oder die beiden Bereiche zu eng zu verzahnen. Das hätten Projekte in anderen Bundesländern gezeigt, geht schief im Miteinander. Ghetto- Bildung solle dennoch auf jeden Fall vermieden werden.

Konkrete Neubauprojekte laufen in Saarbrücken, Saarlouis und Homburg. Alte Dienstgebäude werden zu Wohngebäuden umgebaut, so zum Beispiel das alte Polizeigebäude in der Mainzer Straße oder das ehemalige Citroën- Gelände.

Video [aktueller bericht, 22.11.2018, Länge: 3:37 Min.]
Interview mit Peter Forster, Arbeitskreis bezahlbarer Wohnraum

Ungefähr die Hälfte der 52 Millionen Euro Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau werde man in die Sanierung bestehender Gebäude stecken, so Leers.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 22.11.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen