Rund 3000 Menschen demonstrieren vor der Saarbrücker Congresshalle gegen Rassismus und Polizeigewalt (Foto: SR/Markus Person)

Auseinandersetzung nach Anti-Rassismus-Demo

mit Informationen von Jonathan Janoschka und Markus Person   07.06.2020 | 18:11 Uhr

Nach einer Protestkundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt in Saarbrücken ist es am Samstagnachmittag zu einem Zwischenfall an der Europagalerie gekommen. Nach Angaben der Polizei trafen dort zahlreiche der Demonstranten auf eine genehmigte Versammlung mit knapp 30 Teilnehmern, die gegen die Corona-Maßnahmen protestierten. Einsatzkräfte wurden dabei attackiert.

Nachdem die Anti-Rassismus-Demo vor der Congresshalle, zu der über 2000 Menschen erschienen waren, beendet war, wanderten einige Teilnehmer in Richtung Innenstadt ab. Vor der Europa-Galerie fand zu dieser Zeit eine Protestaktion gegen die "Corona-Zwangsmaßnahmen" statt. Wie die Polizei dem SR mitteilte, versuchten die Anti-Rassimus-Demonstranten, diese durch Parolen wie "Nazis raus" zu stören.

Video [aktueller bericht, 06.06.2020, Länge: 1:59 Min.]
Demonstration gegen Rassismus in Saarbrücken

Als die Corona-Versammlung beendet war, wendeten sich etwa 200 verbliebene Demonstranten gegen die Polizei. Einsatzkräfte wurden unter anderem mit Münzgeld, Plastikflaschen und Pflastersteinen beworfen. Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden blockiert und eine Scheibe beschädigt. Verletzt wurde dabei niemand. Auch kam es laut Polizei zu keinen Festnahmen.

GdP fordert harte Strafen

Die Gewerkschaft der Polizei im Saarland (GdP) verurteilt die Vorfälle in Saarbrücken. Die Polizei sei kein Ventil für den angestauten Frust einiger Personen, sagte der GdP-Landesvorsitzende David Maaß. Er fordert deshalb schnelle und harte Strafen.

Gleichzeitig sprach sich die GdP gegen Rassismus in jeglicher Form aus. Die rassistischen Übergriffe von US-amerikanischen Polizisten seien auf das Schärfste zu verurteilen. Allerdings sei die US-Polizei nicht mit der deutschen Polizei vergleichbar. Deutsche Polizisten stünden mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Verfassung.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPOLG) begrüßte zwar die Solidarität aufgrund des Todes von George Floyd, zeigte sich aber erschüttert über das Verhalten gegenüber der Beamten: „Es ist nicht zu dulden, dass unsere Kollegen und Kolleginnen als „Nazis“ oder „braunes Pack“ bezeichnet werden oder sogar gewalttätig angegangen werden", sagte der Landesvorsitze Sascha Alles. Es könne nicht sein, dass unter dem Deckmantel von Versammlungen zur Gewalt gegen Polizei und Rechtsstaat aufgerufen werde.

Über 2000 bei Anti-Rassismus-Demo

Bei der vorangegangenen Anti-Rassimus-Demo war noch alles friedlich geblieben. Mehr als 2000 Menschen hatten am Samstagnachmittag vor der Saarbrücker Congresshalle gegen strukturellen Alltagsrassismus und Polizeigewalt demonstriert. Gerechnet hatten die Veranstalter mit etwa 300 Teilnehmern. Die Redner appellierten daran, Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten und gemeinsam dagegen vorzugehen.

Menge kniet 8 Minuten und 46 Sekunden

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde mit einem Kniefall von 8 Minuten und 46 Sekunden dem getöteten George Floyd gedacht. Das ist exakt die Zeitspanne, während der ein weißer Polizist sein Knie auf den Hals seines afro-amerikanischen Opfers gedrückt hatte.

Demonstration am Sonntag ohne Zwischenfälle

Auch am Sonntag haben rund 1300 Menschen bei einer weiteren Kundgebung der gleichen Veranstalter auf dem Tbilisser Platz vor dem Saarbrücker Staatstheater gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Mit Blick auf die Vorfälle am Samstag hatte die Polizei vorsorglich personell aufgerüstet. Die Demonstration verlief aber friedlich und störungsfrei.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.06.2020 berichtet.

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