Jens Spahn (CDU, r), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), geben eine gemeinsame Pressekonferenz zur Corona-Lage.  (Foto: picture alliance/Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa)

Besorgnis über Anstieg der Coronazahlen

Thomas Braun   08.10.2020 | 12:19 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist sprunghaft gestiegen. Bundesgesundheitsminister Spahn zeigt sich besorgt. Auch im Saarland sind die Zahlen nach oben gegangen, in einigen Kreisen könnte schon bald der Schwellenwert für strengere Maßnahmen überschritten werden.

Die Zahl der täglich von den Gesundheitsämtern ans Robert-Koch-Institut gemeldeten Fälle ist am Donnerstag bundesweit auf mehr als 4000 gestiegen, nach knapp 3000 Fällen am Tag zuvor. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Bürger erneut zu Wachsamkeit auf.

Anstieg der Corona-Infektionen (08.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.10.2020, Länge: 02:16 Min.]
Anstieg der Corona-Infektionen (08.10.2020)

Spahn: Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig.

Die Zahlen seien besorgniserregend, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. Es gelte zu verhindern, dass die Zahlen insgesamt wieder exponentiell steigen und es zu einem Moment komme, "wo wir die Kontrolle verlieren", sagte der Minister. "Da sind wir noch nicht." Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, die Corona-Warn-App und im Winter regelmäßiges Lüften seien die wirksamste Waffen gegen die weitere Ausbreitung des Virus.

Lungenfacharzt Bals zur Entwicklung der Corona-Pandemie (08.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.10.2020, Länge: 02:58 Min.]
Lungenfacharzt Bals zur Entwicklung der Corona-Pandemie (08.10.2020)

Zugleich rief Spahn zur Zuversicht auf. Deutschland sei bisher gut durch die Krise gekommen. "Es liegt an uns allen", sagte Spahn. "Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig."

Erster Schwellenwert könnte bald überschritten werden

Auch im Saarland sind die Zahlen vor allem seit Anfang Oktober deutlich gestiegen. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsministerium 41 Neuinfektionen - der höchste Wert seit Ende April. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte noch in dieser Woche in einzelnen Kreisen der Schwellenwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen überschritten werden. Ab diesem Schwellenwert soll die Zahl der Gäste bei privaten Feiern regional begrenzt werden.

Es stecken sich wieder mehr Ältere an

Über den Sommer steckten sich überwiegend jüngere Menschen mit dem Coronavirus an - der Anteil der Unter-35-Jährigen an den Neuinfektionen lag im Saarland zeitweilig bei rund 70 Prozent. Mit dem Anstieg der Zahlen seit Oktober steigt aber auch wieder der Anteil der älteren Menschen, wenn auch derzeit noch auf einem niedrigen Niveau.

In den vergangenen sieben Tagen machten die Über-60-Jährigen nach Angaben des RKI rund zwölf Prozent der im Saarland gemeldeten Neuinfektionen aus - nach wöchentlich zwei bis sieben Prozent im Sommer. Gleichzeitig sank der Anteil der Unter-35-Jährigen auf 51 Prozent.

Zahl der Intensivpatienten auf niedrigem Niveau gestiegen

Corona-Anstieg im Saarland: Mit was ist zu rechnen?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger/Carolin Dylla, 08.10.2020, Länge: 02:36 Min.]
Corona-Anstieg im Saarland: Mit was ist zu rechnen?

Bundesweit zeigt sich ein ähnlicher Trend. Auch hier stecken sich laut RKI-Präsident Wieler wieder mehr ältere Menschen. Nach wie vor werden derzeit nur vergleichsweise wenige Patienten intensivmedizinisch behandelt. Ihre Zahl verdoppelte sich innerhalb der vergangenen vier Wochen bundesweit auf 470 Patienten.

Mit dieser Zahl könne das Gesundheitssystem aber noch gut umgehen, sagte Minister Spahn auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Man sei zudem sehr viel erfahrener in der Behandlung der Krankheit. Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), fügte hinzu, dass derzeit 8500 Betten für Intensivpatienten frei seien. Zudem gebe es eine Notfallreserve von etwa 12.000 Betten, die eingesetzt werden könnten.

Über dieses Thema hat auch die SR-Nachrichtensendung "aktueller bericht" am 08.10.2020 berichtet.

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