Asylbewerber in der Landesaufnahmestelle in Lebach (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Viele offene Fragen beim Thema Ankerzentrum

Carolin Dylla   31.07.2018 | 08:05 Uhr

Am Mittwoch sollen in Bayern die umstrittenen Ankerzentren an den Start gehen. Die hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU ins Spiel gebracht. Zentrale Idee ist, das Asylverfahren komplett in diesen Zentren abzuwickeln. So läuft es eigentlich seit langem schon in der Landesaufnahmestelle in Lebach. Auch die könnte ein Ankerzentrum werden. Aber da hat es schon viel Ärger drum gegeben und auch jetzt sind noch viele Fragen offen.

Saar-Innenminister Klaus Bouillon hätte kein Problem damit, in Lebach ein Schild mit der Aufschrift "Ankerzentrum" aufzuhängen, sagt er - vorausgesetzt, dort bleibt alles mehr oder weniger, wie es ist. Denn schon jetzt arbeiten dort Behörden wie das BAMF, das Jobcenter, Jugendamt oder die staatliche Rückkehrförderung eng zusammen. Eine "Blaupause" für eine bundesweite Regelung, findet der CDU-Politiker. 

Von der Aufnahmestelle zum "Ankerzentrum"?
Audio [SR 2, Carolin Dylla, 31.07.2018, Länge: 03:09 Min.]
Von der Aufnahmestelle zum "Ankerzentrum"?

Fast die gleichen Argumente führt der Lebacher Bürgermeister Klauspeter Brill an. Er sei zwar überrascht gewesen vom Vorstoß der Landesregierung, über den die Stadt nicht direkt informiert worden war. Solange das bisher gut funktionierende System in Lebach aber bestehen bleibe und die Landesaufnahmestelle vor allem nicht eingezäunt werde, könne auch er sich mit der Bezeichnung anfreunden.

Abschiebung vor Prüfung befürchtet

Anders sieht das der Saarländische Flüchtlingsrat. Denn noch seien viele wichtige Fragen in Bezug auf die Rechte der Geflüchteten in solchen möglichen Zentren nicht geklärt, sagt Vorstandsmitglied Peter Nobert. Das betreffe unter anderem die Schulbildung für Kinder. Nobert fürchtet, dass Menschen abgeschoben werden könnten, bevor ihre Bleibe-Chancen wirklich eingehend geprüft seien. In gut einem Monat will der Bundesinnenminister ins Saarland reisen - eine Möglichkeit für Klaus Bouillon, die offenen Fragen zu klären.

Über dieses Thema wurde auch in der SR3-Rundschau vom 31.07.2018 berichtet.

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