Ein Stahlring wird in der Schmiede gewalzt. (Foto: Karin Mayer)

Saarland soll Vorreiter bei grünem Stahl werden

  04.06.2020 | 12:51 Uhr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erwartet für die krisengeschüttelte deutsche Stahlindustrie einen völligen Umbau auf CO2-freie Produktionsverfahren. Das Saarland soll dabei Vorreiter sein. Dafür hat er den Unternehmen finanzielle und administrative Unterstützung zugesagt.

Innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre werde die Umstellung der Hochöfen auf CO2-arme Produktionsmethoden erfolgen, sagte Altmaier im SR-Saarland.pod. Dem Saarland schreibt der Bundeswirtschaftsminister dabei eine besondere Rolle zu. „Im Saarland wird es sozusagen losgehen. Und das muss mit öffentlicher Hilfe finanziert werden.“

Keine Nachteile erleiden

Demnach soll auf europäischer Ebene den nationalen Regierungen erlaubt werden, ihren Stahlunternehmen dann finanziell unter die Arme zu greifen, „wenn sie solche hochtechnologischen klimafreundlichen Umrüstungen finanzieren.“

Gleichzeitig will Altmaier den Unternehmen durch administrative Maßnahmen helfen, durch die höheren Umweltstandards keine Konkurrenznachteile zu erleiden. Umweltfreundliche Produktionsverfahren dürften nicht dazu führen, dass der Stahl benachteiligt werde. Das könnte etwa durch kostenlose CO2-Zertifikat-Zuteilungen umgesetzt werden.

Ausgleichsabgabe für "schmutzige Industrieprodukte"

Zudem plädiert der CDU-Politiker dafür, dass „schmutzige Industrieprodukte“, die billig produziert würden, mit einer Ausgleichsabgabe belegt werden, „wenn sie weniger Umweltvorschriften einhalten“. Als Beispiel nannte Altmaier Produkte aus China, Russland oder der Türkei.

Die Corona-Krise mache die Umsetzung dieser Pläne nicht schwerer, sondern einfacher. „Jetzt wissen alle, wie wichtig eine wettbewerbsfähige, leistungsfähige Volkswirtschaft für unser Land ist"“, sagte Altmaier.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.06.2020 berichtet.

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